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Heiliges Meer

Das Bildungs- und Forschungszentrum am Heiligen Meer

Am Heiligen Meer bei Recke im Kreis Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) betreibt das LWL-Museum für Naturkunde ein Bildungs- und Forschungszentrum. Es liegt in einem 260 ha großen Naturschutzgebiet, dem "Naturschutzgebiet Heiliges Meer – Heupen", welches sich zu weiten Teilen ebenfalls im Besitz des LWL befindet. Das Naturschutzgebiet kann über Wanderwege erkundet werden. Diese führen durch Heideflächen, entlang von Seen, Heideweihern, kleinen Mooren, durch Bruchwälder und entlang von Feuchtgrünland. Mit dieser großen Vielfalt an Lebensräumen und einer hohen Biodiversität, ist das Heilige Meer ein idealer Ort für vielseitige Kursangebote für naturkundlich Interessierte und ein optimales Forschungsgebiet. So werden ein- und mehrtägige Kurse ganzjährig angeboten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkunden das Naturschutzgebiet auf Exkursionen, nutzen die Arbeitsplätze im Seminar- und Kursraum, übernachten im Bildungs- und Forschungszentrum Heiliges Meer und werden dort auch verpflegt. Das Labor ist für Gewässeranalysen sowie für wasserchemische und biologische Untersuchungen ausgestattet.

Ausstattung

Die Ausstattung des Bildungs- und Forschungszentrums "Heiliges Meer" ist auf die Durchführung von ökologischen, insbesondere limnologischen Kursen ausgerichtet. Messgeräte, Probenahmegeräte (u.a. Planktonnetze) und Boote auf dem Großen Heiligen Meer und dem Erdfallsee gehören dazu. Im Seminarraum sind für jeden Arbeitsplatz ein Kurs-Mikroskop und ein Stereomikroskop vorhanden. Zur Demonstration von mikroskopischen Objekten dient ein Mikroskop mit Videokamera und drei großen Bildschirmen. Ein Mikroskop mit Fotoaufsatz steht für Dokumentationszwecke zur Verfügung. Die Bibliothek umfasst grundlegende Bestimmungsliteratur für jeden Arbeitsplatz sowie weiterführende Fachliteratur. Bestimmungsübungen und Demonstrationen werden anhand eines Schauherbars, einer Insekten- und einer Molluskensammlung durchgeführt.

Geologische Themen werden in Form einer mit Fossilien aus dem Zechstein und dem Oberkarbon des Ibbenbürener Rückens bestückten Vitrine und die Geologie der Einbruchzone des Erdfallsees in einem großen geologischen Profil veranschaulicht.

Forschungsarbeiten

Die Ausrüstung des Bildungs- und Forschungszentrums "Heiliges Meer" wird für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt, die von den Wissenschaftlern und Studierenden des Hauses sowie von verschiedenen Universitäten durchgeführt werden. Seit Bestehen der Einrichtung wurden zahlreiche ökologische Forschungsarbeiten durchgeführt, die von der unmittelbaren Nähe ihrer Untersuchungsobjekte und den Unterkunfts- und Arbeitsmöglichkeiten profitierten.

Einige Projekte werden im Bereich Forschung vorgestellt:

Kurse

Kurse werden für offene Gruppen, Schulklassen, Studierendengruppen und im Rahmen der Erwachsenenbildung für verschiedene Zielgruppen angeboten.

Die offenen Kurse sind anerkannt nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz.

In jedem Jahr werden zahlreiche Themen behandelt, einige werden jährlich wiederholt. So können Teilnehmende ihr Wissen sukzessive erweitern und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Selbstverständlich sind aber alle Interessenten willkommen – ob mit oder ohne Vorwissen.

Aufgrund der nahen Lage des Bildungs- und Forschungszentrums am Großen Heiligen Meer sind limnologisch ausgerichtete Kurse häufig, zudem stehen auch zahlreiche offene Kurse zur Vermittlung von Artenkenntnissen unter anderem von Tieren und Pflanzen auf dem Programm.


Für spezielle Zielgrupen, zum Teil aus Verwaltungen und Ämtern, wurden unter anderem Kurse und Fortbildungen zu folgenden Themen durchgeführt:

  • Ökologie, Schwerpunkt Limnologie der Stillgewässer
  • Ökologie, Schwerpunkt Belastung von Fließgewässern
  • Kleingewässerseminar
  • Mauernseminar
  • Heckenseminar
  • Moorseminar
  • Heideseminar
  • Waldseminar
  • Pflanzenseminar
  • Seminar zur Ökologie künstlicher Wasserstraßen

Ziel der Kurse

Wichtigstes Ziel der Kurse im Bildungs- und Forschungszentrum "Heiliges Meer" ist die Vermittlung ökologischer Grundkenntnisse. Hierbei werden sowohl die verschiedenen Ökosysteme und ihre abiotischen und biotischen Komponenten im Rahmen von Exkursionen vorgestellt als auch die Wirkungsbeziehungen zwischen den einzelnen Komponenten der Ökosysteme beispielhaft verdeutlicht. Da zum Verständnis einer Landschaft oder eines Landschaftsausschnittes die Kenntnis von Tier- und Pflanzenarten eine wichtige Voraussetzung ist, liegt ein Schwerpunkt aller Kurse auf der Vermittlung von Artenkenntnissen. Durch das aktive Erfahren einer naturnahen Landschaft soll umweltbewusstes Denken und Handeln gefördert werden.

Das Gebäude

Das Gebäude bietet Übernachtungsmöglichkeiten für 32 Personen, zumeist in Zwei- und Dreibettzimmern. Im Erd- und im Dachgeschoss befinden sich Toiletten und Duschen. Ein Seminar- und Kursraum ist ebenfalls mit 32 Arbeitsplätzen ausgestattet. Das hydrobiologische Labor ist für Gewässeranalysen und für biologische Untersuchungen ausgestattet. In der Bibliothek sind weitere Arbeitsplätze vorhanden.

Naturschutzgebiet Heiliges Meer

  • Über Jahrtausenden entstanden mehrere kleinere und größere Erdfallseen, z.B.:

Großes Heiliges Meer (11 ha), entstanden zwischen 600 und 900 n. Chr.
Erdfallsee (7 ha), entstanden am 14.4.1913

  • Mehrere Heideflächen zeugen von einer historischen Kulturlandschaft und von beständig artenreichen Lebensräumen. 
     
  • Verschiedene Waldgesellschaften leben auf trockenen und feuchten Standorten. 
     
  • Das Niedermoor weist artenreiches Grünland auf, während sein Niedermoortorf als Archiv der Vegetationsgeschichte von mehreren 1000 Jahren dient.
     
  • 1927 kaufte der Westfälische Provinzialverband, dessen Rechtsnachfolger der Landschaftsverband Westfalen-Lippe ist, das Gebiet um das Große Heilige Meer und stellte es unter Naturschutz. Es handelte sich um ein Gebiet von 55 ha, das aus drei Teilstücken bestand.
     
  • 1930 trat eine erste Naturschutzverordnung für das Heilige Meer in Kraft.
     
  • Seit 2008 gilt die „Verordnung zur Ausweisung des Gebietes Heilige Meer-Heupen zum Naturschutzgebiet“, ca. 230 ha des Gebietes sind zudem ausgewiesenes Schutzgebiet der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie der Europäischen Union.

Der Erdfallsee

Der Geologe TIETZE (1913) berichtet: „Am 14. April 1913, zwischen 6.00 und 7.00 Uhr nachmittags, brach wenige hundert Meter westlich der Wirtschaft zum ,Heiligen Meer‘ an der Chaussee von Ibbenbüren nach Hopsten der Boden der Heide auf einer etwa kreisförmigen Fläche von etwas über 100 Meter Durchmesser ein, und zwar derartig, dass eine oben fast zylindrische, unten mehr konisch-trichterförmige Einsenkung von über zehn Meter Tiefe entstand, die zunächst fast vollkommen trocken war und auf deren Grund die Birken und Kusselkiefern, mit denen die Heide in jener Gegend dürftig bestanden ist, aufrecht in die Höhe ragten. Um 6.00 Uhr war ein Bewohner jener Gegend noch über die Stelle gegangen, ohne dass ihm etwas aufgefallen wäre. Und um 7.00 Uhr trat an mehreren Punkten der Erdoberfläche in der Nähe des Erdfalls Wasser aus, eine Erscheinung, die bald wieder verschwand, aus der man aber, da sie bei der hohen Elastizität des Wassers unmittelbar auf den Einbruch der Erdmassen gefolgt sein muss, den Schluss ziehen kann, dass ein längerer Zeitraum kaum zwischen den beiden Ereignissen verstrichen sein dürfte. Von einem Geräusch oder einer besonders fühlbaren Erschütterung, die den Vorgang begleitet hätten, ist offenbar nichts bemerkt worden. Wenigstens ist den in der Nähe des Erdfalls angesessenen Bewohnern des Wirtshauses nichts aufgefallen.“

Der Münsteraner Geologe WEGNER (1913), der zwei Tage nach dem Einbruch das Gebiet besuchte, ergänzt diese Angaben: „Gegen 7.00 Uhr nachmittags trat Wasser östlich von dem Hause des Akerers H. Moos an zahlreichen Stellen aus dem Boden; das gleiche geschah zur selben Zeit in der nächsten Umgebung des Gehöftes Wulf und südlich von Hespeling. In den Brunnen der drei Gehöfte soll zusammen damit der Wasserspiegel gestiegen und in einem Fall das Wasser auch mit Schaum bedeckt gewesen sein. Ein Knabe, der sich mit einem Kahne auf dem Kleinen Heiligen Meer befand, beobachtete das Aufwallen des Wassers in diesem See um die gleiche Stunde.“

Zunächst war die Einbruchstelle trocken, füllte sich aber schnell mit Wasser. Dies geschah sowohl durch Oberflächenwasser, besonders aber durch einsickerndes Grundwasser. Durch Abrutschen der zunächst steilen Uferwände und durch fortgesetzte Erosion durch Wellenschlag entstand die heutige Gewässergestalt.


Dieses Ereignis war eine gute Ausgangsposition, um auch die Entstehung des Großen Heiligen Meeres zu analysieren. Durch geomorphologische Untersuchungen konnte LOTZE (1956) die große Ähnlichkeit in der Gestalt zwischen dem wenige Jahrzehnte alten Erdfallsee und dem mindestens 1000 Jahre alten Großen Heiligen Meer zeigen. In beiden Fällen bildete sich die schüsselförmige Vertiefung in direktem Kontakt zu einem bereits vorhandenen Flachsee bzw. einer vermoorten Niederung, so dass heute an das tiefe Seebecken eine flache Zone angrenzt, die im Großen Heiligen Meer weitgehend mit Röhricht bewachsen ist. Aus der großen Ähnlichkeit kann auf die gleiche Art der Entstehung geschlossen werden. Vor mehr als 1000 Jahren ist demnach auch das Große Heilige Meer durch einen Erdfall entstanden, der vermutlich einen Durchmesser von 200 – 230 Meter hatte (Erdfallsee: 110-115 m Durchmesser).


Eine Untersuchung der Umgebung des Erdfallsees und des Großen Heiligen Meeres erfasste weitere 60 Senkungsformen, die aber eine geringere Tiefe aufwiesen, z.T. nur sehr flach und im Gelände schwierig erkennbar sind (Lotze 1956). Diese Senkungen liegen in einem 4,5 km langen und 1,5 km breiten Streifen, der sich in Südwest-Nordost-Richtung erstreckt.

Die Erklärung für die Entstehung dieser Senkungsformen liegt im besonderen Aufbau des geologischen Untergrundes. LOTZE (1956) entwickelte ein Modell des geologischen Baus, doch haben spätere Untersuchungen ein modifiziertes Bild geliefert.

Über das Alter des Großen Heiligen Meeres geben die pollenanalytischen, vergleichend-vegetationskundlichen und siedlungsgeschichtlichen Untersuchungen von SCHROEDER (1957) und BARTH (2002) Hinweise. Nach der Häufigkeitsverteilung der Buchen- und Haselpollen im Sediment des Großen Heiligen Meeres ist das Gewässer frühestens um 600 v. Chr. entstanden. Da das Große Heilige Meer erstmalig 965 n. Chr. urkundlich erwähnt wurde, muss der Zeitpunkt des Erdfalls also zwischen 600 v. Chr. und 900 n. Chr. liegen. Einige Anzeichen, vor allem die Häufigkeitsverteilung der Getreidepollen im Sediment deuten darauf hin, dass dieses Gewässer zwischen 400 und 900 n.Chr. entstanden sein könnte.

Das Naturschutzgebiet Heiliges Meer

1927 kaufte der Westfälische Provinzialverband, dessen Rechtsnachfolger der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ist, das aus drei Teilstücken bestehende 55 ha große Heidegebiet mit seinen Gewässern und dem Gebäude. Seitdem gehört es organisatorisch zum heutigen LWL-Museum für Naturkunde in Münster.

Das Museum unterhält am Randes des seit 1930 geschützten Naturschutzgebietes "Heiliges Meer" seine Außenstelle, das heutige Bildungs- und Forschungszentrum Heiliges Meer.

Das Naturschutzgebiet „Heiliges Meer“ befindet sich an der Nordwestgrenze von Westfalen zu Niedersachsen, 30 km nordwestlich von Osnabrück, zwischen den Orten Obersteinbeck und Hopsten an der Landstraße L 504. Politisch ist das „Heilige Meer“ den Nachbargemeinden Hopsten und Recke im Kreis Steinfurt zuzuordnen.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 965 n.Chr. und bezeichnet das heutige „Heilige Meer“ als „Drevanameri“ (= Dreigrenzenmeer): hier stießen die Grenzen von drei sächsischen Gauen zusammen. Noch heute sind diese Grenzen teilweise vorhanden, so läuft die Grenze zwischen den Gemeinden Hopsten und Recke mitten durch das Große Heilige Meer. Die Herleitung der Bezeichnung „Heiliges“ Feld bzw. „Heiliges“ Meer ist nicht klar. Es hat vermutlich nichts mit dem Wort „heilig“ zu tun, sondern ist entweder von „hel“ (Hölle) oder von „hil“ (hillig = arg, schlimm) abzuleiten, oder möglicherweise auch auf „hola“ (hol = Bruch, Tiefe, Loch) zurückzuführen. Man könnte dann das „Heilige Feld“ als Bruchfeld und das „Heilige Meer“ als Bruch- bzw. Einsturzmeer deuten. Denkbar ist auch eine Deutung, die von einer langjährigen Nutzung der Gewässer ausgeht. So haben die „Heiligen“ Frauen vom Kloster Gravenhorst nach urkundlichen Angaben im Mittelalter die Fischereirechte am Großen Heiligen Meer besessen.

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