Liebe Besuchende des Münsteraner Museums, aufgrund von Baumaßnahmen kann es zurzeit zu Beeinträchtigungen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Für die Sonnenfinsternis am 12.08.2026 sind alle Schutzbrillen bereits restlos ausverkauft.
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Besondere Fossilien verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die Paläontologische Gesellschaft zeichnet darum jedes Jahr ein ganz besonderes Fossil mit dem Titel „Fossil des Jahres“ aus.
Fossilien sind einmalige Zeugnisse der Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten. Sie liefern uns Hinweise auf oft dramatische Veränderungen der Umwelt und der Lebensbedingungen über unvorstellbar lange Zeiträume. Anschaulich zeigen sie, wie die heutige Vielfalt der Organismen im Laufe der Evolution entstanden ist, und dokumentieren auch Lebensformen, die heute nicht mehr existieren.
Vier Skelette, präsentiert in drei westfälischen Museen, sind unter maßgeblicher Beteiligung von Bürgerwissenschaftler:innen erforscht worden und begeistern Besuchende der Region seit Jahren für das Leben des Erdmittelalters. Als sog. Holotypen dienten alle vier Fossilien zur Definition neuer Gattungen und haben damit unser Wissen um die vergangene Biodiversität entscheidend erweitert. Gut 200 Jahre nach der Ersterwähnung der Plesiosaurier rücken die „Westfälischen Plesiosaurier“ als Fossil des Jahres 2026 diese faszinierende Tiergruppe in den Fokus.
Dem Fossil des Jahres wird durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen breitere Aufmerksamkeit zuteil und das bringt die Paläontologie der Öffentlichkeit näher.
Vorschläge, ein besonderes Fossil zum Fossil des Jahres zu ernennen, können jederzeit bei der Geschäftsstelle der Paläontologischen Gesellschaft eingereicht werden.
Die „Westfälischen Plesiosaurier“ umfassen vier Gattungen und bilden einen weltweit einzigartigen Querschnitt eines etwa 135 Millionen Jahre währenden evolutionären Sonderweges unter den Wirbeltieren ab.
Obwohl Westfalen bislang die einzige Region in Deutschland ist, die Plesiosaurier-Skelette aus allen Systemen des Erdmittelalters geliefert hat, sind fossile Überreste dieser Tiere auch aus anderen Teilen des Landes bekannt. Hierbei sind insbesondere Schwaben, Franken, das Harzumland und Vorpommern zu nennen, wo Jura und Unterkreide spektakuläre Funde geliefert haben. Originale und Abgüsse entsprechender Fossilien sind an viele verschiedene Museen gelangt, national wie international. Als Fossil des Jahres 2026 heben die Westfälischen Plesiosaurier daher nicht nur eine regionale Besonderheit und eine aus evolutionsbiologischer Sicht außergewöhnliche Gruppe hervor. Vielmehr stehen die vier Skelette stellvertretend für die über 120 Arten umfassenden Plesiosauria als Ganzes und ihren umfangreichen Nachweis in Deutschland.
Plesiosaurier sind einerseits ein klassisches Beispiel für Landwirbeltiere (Tetrapoden), die sich nachträglich an ein Leben im Wasser angepasst haben, wie es auch bei Krokodilen, Schuppenkriechtieren, manchen Vögeln und Säugern in unterschiedlichem Maße erfolgt ist. Andererseits zeigen die Plesiosaurier einzigartige Innovationen. Hierzu zählen vier flossenartige Extremitäten, die – unter den Tetrapoden eine Besonderheit – in Größe und Bau nahezu identisch sind. Markant ist auch der Hals vieler Plesiosaurier, der gegenüber dem Schwanz ungewöhnlich lang ausgebildet ist und aus mehr als 70 Wirbeln bestehen kann. Dieses eigenwillige Aussehen ließ Georges Cuvier in den frühen Funden zunächst eine Fälschung vermuten und verleitete Edward D. Cope folgenschwer dazu, den Schädel an der Schwanzspitze eines Skelettes zu platzieren.
Das heute noch starke wissenschaftliche Interesse an Plesiosauriern spiegelt sich in einer wachsenden Vielzahl von Publikationen wider, die sich beispielsweise mit der Fortbewegung, Evolution und Systematik dieser Tiere auseinandersetzen.
Die Westfälischen Plesiosaurier nehmen in mehrfacher Hinsicht Schlüsselpositionen im Verständnis dieser Tiergruppe ein. Diese Westfälischen Vier" – Rhaeticosaurus, Westphaliasaurus, Arminisaurus und Brancasaurus – repräsentieren zusammen die Evolution der Plesiosaurier auf einmalige Weise. So erhellt Rhaeticosaurus mertensi als ältester und einziger Nachweis eines zusammenhängenden Skelettes aus der Trias die evolutionäre Frühphase der Plesiosaurier. Das in Warburg-Bonenburg gefundene Exemplar hat ein Alter von etwa 201 Millionen Jahren. Dieser Fund steht für den Beginn der Plesiosaurier-Evolution, die über 135 Millionen Jahre bemerkenswert erfolgreich war. Aus dem frühjurassischen Zeitabschnitt des Pliensbachiums liegen weltweit nur sehr wenige fossile Zeugnisse von Meeresreptilien vor. Aus Westfalen stammen gleich zwei Funde, die hier eine Kenntnislücke füllen. Das recht vollständige Skelett von Westphaliasaurus simonsensii stammt aus einer Tongrube in der Nähe von Höxter. Arminisaurus schuberti ist etwa fünf Millionen Jahre jünger, fällt aber noch in die Zeit der Pliensbachium-Lücke. Der einzige Nachweis ist ein Teilskelett, das aus der Nähe von Bielefeld stammt. Der aus dem westmünsterländischen Gronau bekannte Brancasaurus brancai ist eines der vollständigsten Skelette der Unterkreide und dokumentiert die einstige Präsenz dieser Tiere auch im Brackwasser.
Die Westfälischen Plesiosaurier bieten einen einzigartigen Querschnitt durch die Evolution der Plesiosaurier. Sie werden durch vier Skelette repräsentiert, die in vier Museen zu sehen sind:
Achim Schwermann & Sven Sachs (Autoren) , Jan Ole Kriegs (Hrsg. 2026): Die Welt der Plesiosarier - Paläontologische Abenteuer. LWL-Museum für Naturkunde, 267 Seiten, ISBN 978-3-912101-02-7
Preis: 20 Euro (zzgl. Porto und Verpackung)
Im Museumsshop, Buchhandel und über das Servicebüro erhältlich.
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