Oberkarbon Flora Piesberg
Oberkarbon-Floren gelten im Allgemeinen als sehr gut untersucht und weisen ein breites Spektrum an unterschiedlichen, größtenteils farnartigen Beblätterungsmorphologien auf. Zudem treten des Öfteren Fossilien von Arthropoden, z. B. Insekten, Krebstiere, Spinnentiere, in erstaunlich guter Erhaltung sowie Nachweise von Tier-Pflanzen-Interaktionen, z. B. Fraßspuren, Eiablagen, auf. Anhand dieser fossilen Belege lassen sich Ökosysteme des Oberkarbons rekonstruieren.
Der Piesberg bei Osnabrück ist eine bekannte Fundstelle für oberkarbonische Pflanzenfossilien, die von dort bereits seit etwa 200 Jahren beschrieben werden. Oberhalb von Kohleflözen treten vielzählige Pflanzenfossilien auf, die eine Sumpfvegetation mit diversen Beblätterungstypen belegen. Obwohl Sammlungstätigkeiten an dieser Lokalität schon lange andauern, treten auch heute immer noch bislang unbekannte Arten auf.
Im Jahr 2018 wurden im immer noch aktiven Steinbruch durch Sprengungen Schichten freigelegt, die sich deutlich von den üblichen Ablagerungen unterscheiden und als Seeablagerungen interpretiert werden. Innerhalb der größtenteils feingeschichteten Tonsteine finden sich zahlreiche besondere Arthropoden-Fossilien. Darüber hinaus treten Fossilien von Pflanzen auf, die vom Piesberg bis dato gänzlich unbekannt waren. Herausragend sind Nachweise von fossilen Samenfarnen der Ordnung Peltaspermales, die eher trockene Standorte bevorzugt haben. Gleichzeitig treten aber auch fossile Lebermoose in toller Erhaltung auf. In diesem Projekt wird die Flora der Seesedimente nebst besonderen Funden der üblichen Schichtfolge hinsichtlich Aspekten der Ökologie und Biologie untersucht und im Zusammenspiel mit Funden von Arthropoden wird ein besonderes Ökosystem dieser Zeit rekonstruiert.
Die Fundstelle Piesberg zeigt, dass selbst vermeintlich sehr gut untersuchte Lokalitäten noch voll von Überraschungen sein können.
Ansprechpartner: Robert Bäumer
Kooperationspartner: Universität Münster, Museum am Schölerberg Osnabrück