Teile von Einsteins Gehirn in neuer Sonderausstellung

Leihgeber: Mütter Museum Philadelphia. Foto: LWL/Steinweg. 3D-Animation: Robert Perdok

Was ist aus Albert Einsteins Gehirn nach seinem Tod geworden? In unserer neuen Sonderausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl" erzählen wir die Geschichte hinter den Vorgängen nach dem Tod des Nobelpreisträgers.

Albert Einstein gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Welt und wird oft als Inbegriff des Forschers und Genies bezeichnet. Er starb 1955 im Alter von 76 Jahren im US-amerikanischen Princeton. Sein Wunsch war es verbrannt zu werden. Doch der Pathologe Thomas Harvey, der den Leichnam untersuchte, hatte mit dem Zentrum von Einsteins Genialität, seinem Gehirn, etwas anderes vor. Die Gedanken des Pathologen galten angeblich der Forschung, doch was er tat war in den Augen vieler unmoralisch. Harvey entnahm das Gehirn heraus und konservierte es. Erst im Nachhinein ließ er die Aufbewahrung von der Familie Einsteins absegnen - und begann zu forschen. Er zerschnitt das Gehirn in hunderte einzelne Blöcke und fertigte unzählige mikroskopische Schnitte des Gehirngewebes an.

Ausstellungsmacherinnen Nicola Holm und Lowell Flanders vom Mütter Museum in Philadelphia mit den beiden Schnitten von Einsteins Gehirn. Foto: LWL/Steinweg

"Wir bekommen für unsere Ausstellung zwei dieser Schnitte vom Mütter Museum in Philadelphia geliehen. Wir haben dazu eigens eine besondere Vitrine angeschafft. Unser 3D-Designer Robert Perdok hat dafür eine 3D-Animation des Gehirns zur Verfügung gestellt", sagt Ausstellungsmacherin Nicola Holm. Das Museum für Medizingeschichte, benannt nach seinem Gründer Thomas Dent Mütter, ist nur eines von zweien weltweit, in denen man Teile von Einsteins Gehirn besichtigen kann. Die beiden Ausstellungsstücke hat der Sammlungsleiter des Museums, Lowell Flanders, persönlich nach Münster gebracht. Der Amerikaner hält im LWL-Planetarium am Dienstagabend (22.5.) einen Vortrag unter dem Titel "Einsteins Gehirn: Erwerb, Geschichte und Sammlungsethik".

Leihgeber: Mütter Museum Philadelphia. Foto: LWL/Steinweg

Die zunächst unerlaubte Konservierung von Einsteins Gehirn rechtfertigte Thomas Harvey stets damit, der Wissenschaft zu ermöglichen so etwas wie die "Quelle von Genialität" an einem einzelnen Gehirn festzustellen. Er verschickte Teile des Gehirns an verschiedene Neuropathologen in der Hoffnung, dass sie eine genaue Erklärung für die Intelligenz Einsteins finden könnten. Doch sensationelle Ergebnisse blieben aus. Einige Studien zeigten mögliche Besonderheiten auf, die andere Forscher aber wiederum als nicht relevant einstuften. "Den einen genauen Beweis für Einsteins Genialität an seinem Gehirn festzustellen blieb bis heute aus", erklärt Nicola Holm.

Für den Pathologen Thomas Harvey hatte das Alles keine besonders guten Folgen. Er wurde vom Krankenhaus in Princeton entlassen und verlor später auch noch seine Zulassung als Arzt. Die Teile von Einsteins Gehirn die er noch besaß, bewahrte er Jahre lang zu Hause in einem Glas unter seinem Schreibtisch auf, bevor er sie schließlich der Wissenschaft spendete.

Sammlungsethik

Die Aufbewahrung und Ausstellung von Teilen von Einsteins Gehirn kann moralische Fragen aufwerfen. Denn eigentlich wollte er nach seinem Tod verbrannt werden, die Beteiligten widersprachen also dem Willen des Verstorbenen. Was jedoch nicht vorlag, war ein illegales Handeln.

Einstein starb eines natürlichen Todes. Sein Sohn bestand jedoch darauf, dass eine Obduktion durchgeführt wird. Hierbei ist es in den USA normal, dass auch das Gehirn entnommen wird. Ethisch relevant wird der Fall erst, durch die Aufbewahrung des Pathologen Dr. Thomas Harvey. Doch auch hier besteht keine rechtliche Schuld, denn er ließ sich die Konservierung, unter der Auflage es nur für wissenschaftliche Zwecke zu nutzen, von der Familie Einsteins bestätigen.

Lowell Flanders wies in seinem Vortrag konkret auf diese ethischen Gesichtspunkte hin und hob hervor wie wichtig es ist, in Ausstellungen den gesamten Kontext hinter der Geschichte von Einsteins Gehirn zu beleuchten.

Hintergrund zur Ausstellung

Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster zeigt ab dem 29. Juni 2018 die Sonderausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl". Auf 1.200 Quadratmetern lernen Besucher die anatomische Vielfalt und die enormen Leistungen dieses komplexen Organs kennen. Im Gehirn werden sämtliche Reize verarbeitet. Die Persönlichkeit formt sich, Gefühle entstehen, Pläne werden geschmiedet und Traumwelten erschaffen. Im Fokus der Ausstellung stehen neben dem Menschen die künstliche Intelligenz und die Welt der Tiere. Die Ausstellung ist dank Brailleschrift, einem speziellem, mehrsprachigem Audioguide und Tastmodellen für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Sehende oder für Hörbehinderte, die an den Mitmachstationen ihre übrigen Sinne erforschen können. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Schülerinnen, Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.