Sonderausstellung "Brain Paintings" | 09.11.2018 - 20.01.2019

Foto:Heide Pfützner

Malen mit der Kraft der Gedanken

Ein Bild allein mit der Kraft der Gedanken malen, ohne Muskelkraft und nur anhand einer Gehirn-Computer-Schnittstelle. Was wie eine ferne Zukunftsvision klingt, ist inzwischen Realität! Dank der Forschung von Prof. Dr. Andrea Kübler und ihrem Team vom Psychologischen Institut der Universität Würzburg können auch körperlich eingeschränkte Menschen mit Hilfe eines Computerprogramms Bilder und grafische Kompositionen erstellen.

Vom 09.11.2018 – 20.01.2019 ist eine kleine Sonderausstellung zu diesem Thema im LWL-Museum für Naturkunde zu sehen. Die Ausstellung ergänzt fachlich die große Sonderausstellung „Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“. Unter dem Titel „Brain Paintings“ werden 16 bis 18 großformatige Bilder der Künstler Heide Pfützner und dem 2017 verstorbenen Jürgen Thiele vorgestellt.

Die Ausstellung wird am 08.11. um 18.00 Uhr mittels eines Festvortrages von Kübler im Planetarium des Museums eröffnet. Die Öffentlichkeit ist zum Eröffnungsvortrag in Münster eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Foto: dpa

Das Brain Painting oder auch „Malen mit Gedanken“ ist eine Technik, bei der Menschen mittels ihrer Hirnströme Bilder auf einer digitalen Leinwand malen können. Dabei zeigt ein Bildschirm verschiedene Malutensilien wie Farben, Formen und Pinselgrößen an, die die Malenden mittels ihrer Gedanken fixieren. Am Kopf befestigte Elektroden übertragen die Informationen an ein Computerprogramm, das die Befehle auf der digitalen Leinwand abbildet. Dabei entstehen bunte Bilder, abstrakt oder mit klar erkennbaren Motiven, in jedem Fall aber individuell einem Künstler zuordenbar.

Erfinder des Brain Paintings ist der Künstler, Kurator und Retrogradist Adalbert Hösle. Die Methode sollte Künstlern wie Jörg Immendorf, der 1997 an der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erkrankte, das künstlerische Gestalten wieder möglich machen. 2005 entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen Hösle und dem Brain-Computer Interface Projekt der Universität Tübingen ein Programm, das es gelähmten Menschen erlaubte, über einen Computer mit ihrer Umgebung zu kommunizieren. Die darauffolgenden ersten Versuche eines kreativ-malerischen Ausdrucks von Gedanken entstanden in einem Forschungsprojekt der damaligen Habilitantin Andrea Kübler, die gemeinsam mit einem Team der Universität Würzburg und der ebenfalls durch ALS schwerstgelähmten Liane Krauß die ersten Brain Paintings schuf. Seit 2011 können Patienten auch zu Hause ein leicht abgewandeltes Programm nutzen.

Foto:Heide Pfützner

Heide Pfützner (*1939), studierte Anglistin und Germanistin, ist seit 1985 aktive Malerin und beschäftigte sich schon früh mit unterschiedlichen Kunsttechniken. Sie erhielt 2007 die Diagnose ALS und ist mittlerweile vollständig gelähmt. Sie nutzt ein sogenanntes Eye-Tracker-System, um mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Um die Malerei trotz der Erkrankung weiter ausüben zu können, versuchte sie sich im Januar 2012 erstmals an der Brain Painting Technik. Sie war damit die erste Künstlerin, die das Brain Painting-Programm zuhause nutzen konnte.

Jürgen Thiele (1940-2017) war nach Pfützner der zweite Künstler mit einem eigenen Brain Painting Home-System. Vor seiner Erkrankung und der Diagnose ALS im Jahr 2006 war der in Sachsen geborene Thiele unter anderem als Stadtplaner, Designer, Restaurator und Architekt tätig und fertigte mit großer Passion Aquarelle an. Von 2013 bis zu seinem Tod stand er in engem Kontakt mit der Würzburger Forschungsgruppe rund um Kübler und schuf seine beeindruckenden Brain Paintings, die als Ventil für seine Gedanken und Kreativität dienten.