Sinnestäuschungen in neuer Sonderausstellung „Das Gehirn“

Foto: LWL/Steinweg

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Es ist das komplexeste Organ, die Schaltzentrale für alle Handlungen und der Ursprung intelligenter Fähigkeiten. Doch manchmal lässt sich unser Gehirn leicht austricksen. In unserer Sonderausstellung „Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“ präsentieren wir verschiedene optische Täuschungen bei denen auch die Besucherinnen und Besucher mitmachen und ein Andenken in Form eines Handyfotos mitnehmen können. Zwei dieser Täuschungen wurden vom Museumsteam selbst angefertigt: der sogenannte Ames-Raum und eine Illusionsmalerei.

Foto: LWL/Steinweg

Wer mit einem Auge durch das „Guckloch“ in der Wand in den kleinen Raum schaut, bemerkt erst einmal nichts Besonderes. Es scheint sich um ein ganz normales Zimmer zu handeln, mit einer Wand im Hintergrund, auf der zwei Fenster zu sehen sind. Doch sobald sich zwei Menschen in die jeweils hinteren beiden Ecken stellen, setzt der Effekt ein. Ein Mensch erscheint riesig, der andere erscheint deutlich kleiner. Diesen Effekt können Fotokameras einfangen. Der Ames-Raum wurde nach seinem Entwickler Adelbert Ames Jr. benannt. Im Raum sind die Wände und Texturen trapezförmig verzerrt. Die rechte Wand ist wesentlich kürzer als die linke, sodass die Ecken unterschiedlich weit vom Betrachter entfernt sind. Zudem steigt der Boden nach vorne an. Doch aus einer bestimmten Perspektive wirkt das Zimmer ganz normal und unserer Wahrnehmung bleibt nur ein Schluss: nicht der Raum ist verzerrt, sondern mit den Größen der Menschen stimmt etwas nicht.

Foto: LWL/Steinweg

Der Ames-Raum zeigt, wie unser räumliches Sehen funktioniert. „Das Bild was wir sehen entsteht erst im Kopf. Da wir mit einem Auge nicht dreidimensional Sehen können verlässt sich unser Gehirn auf seine Erfahrungen. Die besonderen Winkel und der gemalte Hintergrund unterstützen die Illusion“, sagt Ausstellungsmacherin Dr. Julia Massier. „Zwei fast gleich große Menschen wirken unterschiedlich groß.“ Eine besondere Herausforderung für die Schreiner des LWL-Museums und die Museumsmalerin Beatrix Clement war der Bau und die Bemalung des Raumes. Deshalb haben sie zuerst ein Modell angefertigt in dem sie die Winkel und die Perspektive im kleineren Maßstab genau festlegten. „Der Raum ist insgesamt sechs Meter lang und die Höhe variiert von 1,90 Meter bis 2,65 Meter. Da muss alles stimmen damit die Illusion gelingt“, erklärt Museumsschreiner Thomas Hemmerich.

Foto: LWL/Steinweg

Eine weitere Mitmachstation aus dem Bereich der Sinneswahrnehmung ist die „Dinosaurier-Illusion“. Diplom Designerin Beatrix Clement hat einen Dinosaurier aufwändig auf eine Wand gemalt. Stellt sich ein Mensch davor und wird dabei fotografiert, sieht es so aus, als wolle der Dinosaurier durch eine Tür in den Raum hineinbrechen. „Damit die Illusion noch besser wirkt, wurde die ganze Wand bemalt. Verschiedene gemalte Materialimitationen, wie etwa eine Holztür oder Mauerwerk und Putz, sowie natürliche Schatten an Tür und Dinosaurier sind für die plastische Wirkung der wichtig“, erklärt Clement. Alle Besucherinnen und Besucher der neuen Sonderausstellung können dann selbst ausprobieren ob sie den Dino noch aufhalten können. Sicherlich ein gutes Fotomotiv und eine witzige Erinnerung an den Museumsbesuch.

Hintergrund zur Ausstellung

Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster zeigt ab dem 29. Juni 2018 die Sonderausstellung „Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“. Auf 1.200 Quadratmetern lernen Besucherinnen die anatomische Vielfalt und die enormen Leistungen dieses komplexen Organs kennen. Im Gehirn werden sämtliche Reize verarbeitet. Die Persönlichkeit formt sich, Gefühle entstehen, Pläne werden geschmiedet und Traumwelten erschaffen. Im Fokus der Ausstellung stehen neben dem Menschen die künstliche Intelligenz und die Welt der Tiere. Die Ausstellung ist dank Brailleschrift, vielen Mitmachstationen, einem speziellen, mehrsprachigen Audioguide und Tastmodellen für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Sehende oder für hörbehinderte Menschen. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene, Vorträge und Literarische Rundgänge angeboten.