Arbeiten von Design-Studierenden im LWL-Museum für Naturkunde

Kooperation mit der Münster School of Design der FH Münster

Foto: LWL/Steinweg

Die Studierenden des Seminars von Prof. Cordula Hesselbarth an der FH Münster wagten sich im Wintersemester 2018/2019 an ein anspruchsvolles Thema: „Beziehungskisten – Formen des Zusammenlebens in der Natur“ ist der Titel der neuen Sonderausstellung im LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) und gleichzeitig auch das Motto der Arbeiten der Studierenden der Münster School of Design der FH. Die Studierenden erarbeiteten mit viel Engagement neue Konzepte, um die unterschiedlichsten „Beziehungskisten“ verständlich, wissenschaftlich fundiert und originell in der Ausstellung präsentieren zu können. Die Arbeiten erklären komplexe Themen wie die Entstehung des Zusammenlebens, die Verwandtenerkennung und die Koevolution oder beschäftigten sich intensiv mit den sogenannten Mykorrhizen, Bakterien oder Parasiten. Es entstanden vielfältige und innovative Installationen und Wandkonzepte, die die Themen mal sachlich, mal humorvoll erläutern.

Insgesamt sind elf studentische Arbeiten der Münster School of Design in der Ausstellung zu sehen, darunter Rauminszenierungen, Wandgestaltungen, interaktive Anwendungen und vieles mehr. Seit 1997 zeugen Ausstellungen wie „Sex und Evolution“, „Leben in der Dunkelheit“ und zuletzt „Das Gehirn“ von der erfolgreichen Zusammenarbeit und langjährigen Kooperation des LWL-Museums für Naturkunde mit Prof. Cordula Hesselbarth.

Kurzvorstellung der einzelnen Arbeiten

Ein großes Wandbild, gestaltet von Helen Brose, lädt den Besucher zum interaktiven Entdecken, der unterschiedlichen Arten von Tierverbänden ein. Grafik: Brose

Zusammenleben im Tierreich – Eine multimediale Station von Helen Brose

Viele Tiere leben in verschiedenen Tiergemeinschaften zusammen. Sie bilden sogenannte Verbände, die aus wenigen oder sehr vielen Tieren einer Art bestehen können. Auch die Strukturen der Verbände zeigen sich vielfältig. Warum leben manche Tiere überhaupt in großen Gruppen zusammen? Welchen Nutzen ziehen sie aus dem gemeinschaftlichen Leben? Und welche Gruppendynamiken entstehen durch das Zusammenleben? Das Projekt von Helen Brose erklärt die Vielfalt des Zusammenlebens im Tierreich anhand eines großen Wandbildes, auf dem verschiedene Tierarten zu sehen sind. Durch versteckte Klappen innerhalb der Wandgrafik können Besucherinnen und Besucher das Thema selbst erkunden. Mit einer eingängigen und kindgerechten Bildsprache spricht diese Ausstellungsstation auch schon die Jüngsten an und vermittelt so spielerisch und leicht die komplexen Arten des Zusammenlebens im Tierreich.

Die Anfänge des Zusammenlebens, verdeutlichen J. Aden und S. Emrich durch ihr begehbares, interaktives Raummodell einer Wimpernkugelalge. Grafik (oben): Aden/Emrich. Foto: LWL/Steinweg

Vom Einzeller zum Mehrzeller – Ein begehbares Wimperkugelalgenmodell von Julia Aden und Sarah Emrich

Vor etwa 1,5 Milliarden Jahren trat eine entscheidende Veränderung in der Evolution der Lebewesen auf: Einzeller verbanden sich aus Schutzgründen zu Kolonien, es entstanden die ersten Mehrzellerorganismen. Die Grundlage aller Lebensformen, die wir Menschen bis heute kennen, war entstanden. Das etwa drei Meter große begehbare Zelt in der Ausstellung ist ein Partnerprojekt von Julia Aden und Sarah Emrich und zeigt anhand des Beispielorganismus Volvox, einer kugelförmigen grünen Wimperkugelalge, die Schwelle dieses Übergangs vom Ein- zum Mehrzeller. Im Inneren befinden sich kleinere Tastmodelle, informative Textquellen, Mikrofotoaufnahmen und Informationsskizzen. Besucherinnen und Besucher können so durch haptische Entdeckungen den Grundbaustein aller höher entwickelten Formen kennenlernen.

Ist Blut dicker als Wasser? Diese Fragen gehen B. Dietrich, J. Schütz und V. Brommer, mit ihrer vielseitigen Forscher- und Entdeckerstation nach. Grafiken v.li.n.re.u.: Dietrich/Schütz/Brommer. Foto oben: LWL/Steinweg

Verwandtschaftsselektion – Eine interaktive Ausstellungsstation von Julian Schütz, Valentin Brommer und Benedikt Dietrich

Welche Bedeutung hat das Sprichwort „Blut ist dicker als Wasser“ im Zusammenhang mit der Verwandtschaftsselektion bei Lebewesen? Wie wird nach der Hamilton-Regel die Gesamtfitness eines Organismus berechnet? Können Tiere selbstlos sein? Und wie steuert die Verwandtenbeziehungen das Verhalten von Tieren und uns Menschen? Das Gruppenprojekt ist eine interaktive Ausstellungsstation und soll diese und viele weitere spannende Fragen beantworten. Von Benedikt Dietrich stammen drei umfangreiche digitale Illustrationen zu Erdmännchen, Bienen und Graufischern, welche, begleitet von kurzen Animationen, einen Einblick in die sozialen Strukturen der Tiere verschaffen. Mit den Zeichnungen und Aquarellen von Valentin Brommer werden die Besucherinnen und Besucher in eine Forscherrolle versetzt. Die Mitmachstationen von Julian Schütz lädt dazu ein, sich spielerisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Jeder kann an einer digitalen Umfrage teilnehmen und so der Frage nachgehen, wie autonom unsere Handlungen wirklich sind.

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Wie schaffen Tiere es, ihre eigenen Nachkommen von den vielen Fremden zu unterscheiden? Diese und weitere spannende Fragen können in der Ausstellung »Beziehungskisten - Formen des Zusammenlebens in der Natur« von den Museumsbesuchern entdeckt werden. Foto (li.): LWL/Steinweg. Grafik: Kelsch

Verwandtenerkennung im Tierreich – Illustrierte Infosäulen von Henrike Kelsch

Die Besucherinnen und Besucher werden um drei hohe dreiseitige Säulen geführt, die vor einer einleitenden Ausstellungswand präsentiert werden und jeweils einem Thema gewidmet sind: Die Pflege des eigenen Nachwuchses, den Freund vom Feind unterscheiden, Sozialpartner und Fortpflanzungspartner auseinanderhalten – dies sind nur drei der Situationen, in denen es für Tiere überlebenswichtig ist, die eigenen Verwandten zu erkennen. Bildtafeln mit Aquarell-Illustrationen, die teilweise interaktiv aufgeklappt werden können, machen neugierig auf die textliche Erläuterung. Mit einem gewissen Augenzwinkern in der Bildsprache erklärt Henrike Kelsch beispielsweise weshalb der Totengräberkäfer Larven tötet oder wieso der Kuckuck mit seiner Strategie, sich in fremde Nester einzunisten, solchen Erfolg hat.

Das Mikrobiom des Menschen - oder anders: Bakterien! Ekelig? Im Gegenteil, überlebenswichtig! Neue Erkenntnisse über unsere fleißigen Helfer, veranschaulicht von Maximilian Weihs. Grafik: Weihs

Das Mikrobiom des Menschen – Eine Wandgestaltung von Maximilian Weihs

In uns und auf uns leben Millionen von Kleinstlebewesen. Besonders auf unseren Schleimhäuten, unserer Haut und in unserem Darm tummeln sie sich und erledigen viele, mitunter lebenswichtige Aufgaben. Dennoch bleiben der Darm und seine Bakterien ein Ekelthema. Aber nicht alle Bakterien machen uns krank! Sogar im Gegenteil: sie halten uns gesund, unser Immunsystem unter Kontrolle, pflegen den Darm und helfen uns sogar bei der Verdauung. Maximilian Weihs hat sich daher der Aufgabe angenommen, gerade Kindern diese unsichtbare Welt in uns zu erklären, aber auch Eltern können viel lernen, denn der Trend zu übermäßiger Hygiene durch Desinfektion ist oft kontraproduktiv. Mit kindgerechten Illustrationen werden die eher abstrakten Bakterien menschlicher, verständlicher und sympathischer gemacht. Eine Bildschirmanwendung zeigt die quirligen Kleinstlebewesen bei ihrer alltäglichen Fleißarbeit. Interaktive Elemente laden zum persönlichen Erfahren und Spielen für Groß und Klein ein und versuchen so, dem Ekel entgegen zu treten und eine neue Sicht auf unsere freundlichen Untermieter zu geben. 

Ungewohnte Sichtweisen: Unterirdische Welten verknüpfen sich miteinander. Wie Waldbäume und Pilze eine notwendige symbiotische Beziehung eingehen, kann man nun im LWL-Museum für Naturkunde in Münster erfahren. Grafik: Stockbrink

Partnerschaft im Verborgenen - Eine Rauminszenierung von Rabea Stockbrink

Neben klar erkennbaren Partnerschaften in der Natur gibt es auch Formen des Zusammenlebens, die sich im Verborgenen abspielen und nicht direkt als solche erkennbar sind. Ein Beispiel dafür stellen Waldbäume und ihre Pilze dar. Sie führen eine Partnerschaft, brauchen sich gegenseitig und sichern das Überleben des jeweils anderen, indem sie wichtige Mineralstoffe über das Wurzelnetz austauschen. Rabea Stockbrink erklärt in ihrer Arbeit, wie genau das funktioniert, anhand der Verbindungsstelle „Mykorrhiza“. Die Besucherinnen und Besucher können diese eigene Welt unter die Erdoberfläche erleben und mittels Steuerpult selbst erkunden und beeinflussen.

Sie sind beinah unerforscht und strahlen daher eine ganz besondere Faszination aus - Tiefseebewohner und ihre strahlenden Helfer. N. Grieser und M. Einemann lassen Licht ins Dunkle der Tiefsee. Grafik: Einemann/Grieser

Tiefseefische und lumineszente Bakterien – Ein Ausstellungsprojekt von Niklas Grieser und Mathis Einemann

Das Überleben in andauernder Dunkelheit bedarf einer besonderen evolutionären Strategie und so haben im Laufe der Zeit viele Tiefenbewohner im Tierreiche eigene Lichtquellen entwickelt. Das Licht, Biolumineszenz genannt, wird zur Jagd, Kommunikation oder Tarnung benutzt. In den meisten Fällen stammt es aber nicht von den Lebewesen selbst, sondern von einer Vielzahl kleiner bakterieller Helfer. Niklas Grieser und Mathis Einemann zeigen mit ihrem Projekt die biochemischen Vorgänge der Biolumineszenz am Beispiel des Anglerfisches. Lichtspiele auf dunklem Grund laden zu. Die durch Karikaturen gestützten Informationsebenen führen die Besucherinnen und Besucher durch den Lebensraum des Anglerfisches und zeigen die Komplexität von Tiefsee-Symbiosen.

Von Endoparasiten und ihren möglichen Auswirkungen auf uns Menschen. Ein spannendes und aufklärendes Museumsexponat, welches uns die realen Gefahren aufweist. Grafiken (oben): David/Redlich. Foto: LWL/Steinweg

Schmarotzer von Innen – Die Endoparasiten des Menschen anschaulich erklärt von Svenja David und Sarah Redlich

In ihrem Partnerprojekt gehen Svenja David und Sarah Redlich den Endoparasiten des Menschen auf den Grund. Was sind eigentlich Endoparasiten, welche Formen und Arten kommen vor? Wie nutzen diese uns als Wirt aus? Und welche Infektionen können diese bei uns Menschen auslösen? Anhand der drei gefährlichsten Infektionskrankheiten des Menschen Malaria, Tuberkulose und HIV/AIDS erläutern sie Übertragungsarten, Prozesse im Körper und Symptome von Infektionskrankheiten. Aber auch die verbreiteten sozialen Vorurteile der HIV-Erkrankung sollen durch faktische Aufklärung aus dem Weg geräumt werden. Dargestellt werden die Endoparasiten als liquide, dynamische, leuchtende Formen. Das Exponat ist sowohl inklusiv als auch barrierearm und kann von den Besucherinnen und Besuchern als Mitmachstation genutzt werden.

Sie sind beinah unerforscht und strahlen daher eine ganz besondere Faszination aus - Tiefseebewohner und ihre strahlenden Helfer. N. Grieser und M. Einemann lassen Licht ins Dunkle der Tiefsee. Grafik: Einemann/Grieser

Die Verhaltensmanipulation durch den Sacculinakrebs erklärt von Katrina Biedenbender

Neben dem Miteinander und dem Nebeneinander von Lebewesen gibt es in der Natur auch das Gegeneinander: Ein gutes Beispiel dafür sind die Strandkrabbe und der Sacculinakrebs.
Letzterer ist ein Parasit und nistet sich bei der Krabbe ein. Dazu injiziert der Sacculinakrebs Zellen und breitet sich dann als fädiges Gespinst aus. Der Parasit übernimmt die Kontrolle und nutzt die Strandkrabbe fortan als Futterlieferant und Brutplatz. In ihrem Ausstellungsprojekt erklärt Katrina Biedenbender den ungewöhnlichen Lebenszyklus dieses Parasiten. In der multimedialen Gestaltung wird mit analogen und digitalen Zeichentechniken visualisiert, wie der Parasit nach und nach die Kontrolle über die Strandkrabbe übernimmt. Ein Videoclip zeigt den Besucherinnen und Besuchern ein entscheidendes Detail in der Metamorphose des Sacculinakrebs zum Parasiten.

MRSA - Multiresistente Erreger sind aktuell in aller Munde. Die Sorge wächst, aber auch berechtigt? Paulina Adass gibt neue Aufschlüsse über die antiobiotikaresistenten Bakterien. Grafik: Adass

Multiresistente Erreger: Kleine Feinde unter uns – Ein Projekt von Paulina Adass

Antibiotikaresistenz ist in aller Munde. In der Viehzucht aber auch in Krankenhäusern ist immer öfter von resistenten Bakterien zu hören. Große Ängste werden mit diesem Begriff verbunden, aber was genau ist Antibiotikaresistenz und wie kommt es dazu? Paulina Adass zeigt in ihrem Ausstellungsexponat mit einer verständlichen und einfachen Bildsprache wie es zu Resistenzen gegen Antibiotika kommen kann. Dabei wird auch die Symbiose von Mensch und Bakterium erklärt und welche Folgen und Auswirkungen eine Antibiotikaresistenz tatsächlich auf unseren Organismus haben kann.

Es hört sich an wie ein Märchen - Eine Schnecke wird von fleißigen Ameisen zum Nest getragen. Wie die Parasiten der Treiberameisen dies durch koevolutionäre Anpassungen bewerkstelligen, zeigt M. Gellenbeck in ihrem Aufdeckspiel. Grafik: Gellenbeck

Koevolution: Die Treiberameisen und ihre ungebetenen Gäste – Ein Aufdeckspiel von Mara Gellenbeck

Passen sich zwei Organismen wechselseitig aneinander an, spricht man von Koevolution. Ziel der Organismen ist dabei immer der eigene Nutzen. Anhand von Treiberameisen und ihren Nestparasiten erklärt Mara Gellenbeck, wie dieses Evolutionsphänomen entsteht und was dabei passiert. Da die Treiberameisen beachtliche Mengen Beute für ihre Kolonien erlegen können, profitieren auch andere Tiere gerne vom Jagderfolg und haben deshalb verblüffende Strategien entwickelt, um unerkannt Nahrung, aber auch Schutz innerhalb der Ameisenkolonie zu finden. Die Besucherinnen und Besucher finden sich vor einem Wandbild wieder, in dem es versteckte Bildelemente zu entdecken gibt und das mittels Schieben, Klappen und Drehen selbst erkundet werden kann.

Link zur Homepage: MSD / Münster School of Design