Eichenprozessionsspinner im Museum

Aktuelles Thema wird in neuer Sonderausstellung behandelt

Foto: LWL/Heimann

In diesem Sommer haben es wieder viele Menschen auf der eigenen Haut zu spüren bekommen, wenn die giftigen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners zu Hautausschlägen mit intensivem Juckreiz geführt haben. Das Museum setzt sich in seiner Sonderausstellung „Beziehungskisten – Formen des Zusammenlebens in der Natur“, mit diesem Insekt und weiteren Gemeinschaften im Tierreich auseinander. Sie schlängeln sich mitten in der Ausstellung als typische Prozession den Baum herauf. Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung müssen jedoch keine Angst vor den Raupen und ihren Brennhaaren haben. Zwar ist der Unterschied zu echten Tieren nicht auf den ersten Blick zu erkennen, so lebensecht wirken die Raupen, aber es sind nur Modelle. „Wir wollen in unserer Ausstellung verschiedene Beziehungen zwischen Tieren aufzeigen und den Museumsgästen erklären, weshalb die Tiere sich zu Prozessionen zusammenschließen“, sagt die Biologin und Ausstellungsmacherin Dr. Michaela Klösener. „Die wenigsten Tiere leben dauerhaft allein, sondern schließen sich für einige Zeit in einer Gemeinschaft mit Artgenossen zusammen. Die Gründe dafür sind vielfältig und werden in der Ausstellung auf verschiedenste Weise beleuchtet“.

Foto: LWL/Heimann

Pinsel- und Engelshaar

Insgesamt wurden für die Ausstellung über 200 Raupen hergestellt. Dafür haben die Präparatoren eine Gussform angefertigt, die dann mit Harz gefüllt wurde. Wie eine Eiswürfelform konnte diese dann für alle weiteren Modelle benutzt werden. Danach wurden die Raupen bemalt und schließlich mit tausenden Pinselhaaren beklebt. Damit das Nest der Prozessionsspinner auch möglichst echt aussieht, hat Präparatorin Klaudia Merz „Engelshaar“ verwendet, das man sonst als Dekoration für Weihnachtsbäume kennt.

Foto: LWL/Heimann

Giftiges Insekt

Der Eichenprozessionsspinner gehört zu den Nachtfaltern. Er schwärmt in den Monaten Juli bis September aus, anschließend legen die Weibchen ihre Eier ab. Darin entwickeln sich junge Raupen, die Anfang Mai schlüpfen. Die Raupen haben Brennhaare, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Es ist für Mensch und Tier gefährlich und kann allergische Reaktionen auslösen. Bereits kurz nach dem Schlupf schließen sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners auf der Suche nach Nahrung zu den namensgebenden Prozessionen zusammen. Dazu reihen sich die nachtaktiven Tiere hintereinander in eine lange Kette und wandern gemeinsam in die Baumkronen von Eichenbäumen, wo sie die Blätter fressen. Der Falter hat sich in den letzten Jahren immer stärker in Deutschland ausgebreitet. Auch im Münsterland ist er in diesem Sommer wieder weit verbreitet.

Hintergrund zur Ausstellung

Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster zeigt ab dem 25. September 2019 die Sonderausstellung "Beziehungskisten – Formen des Zusammenlebens in der Natur". Auf 560 Quadratmetern lernen Besucherinnen und Besucher das Miteinander, Gegeneinander und Nebeneinander in der Natur kennen. Museumsgäste können die Vielfalt des Zusammenlebens von großen Insektenstaaten, über Parasiten und der Funktion von Vogelschwärmen bis hin zu lebenswichtigen Bakterien im menschlichen Körper entdecken. Die Ausstellung ist für alle Menschen geeignet. Sie beinhaltet: Brailleschrift, einen speziellen, mehrsprachigen Audioguide (D, EN, NL) und Tastmodelle für Menschen mit Sehbehinderung, Mitmachstationen und untertitelte Filme. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Schülerinnen, Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.