Leben in der Dunkelheit

Sonderausstellung brachte im LWL-Museum für Naturkunde Licht ins Dunkle

Ausstellung beendet!

Foto: LWL/Steinweg
Foto: LWL/Steinweg

Wie ist das Leben im Dunkeln - ohne Licht, ohne Sonne, ohne bunte Farben? Für Menschen ist ein Leben ohne Licht schwer denkbar. Tatsächlich steckt viel mehr Leben in der Dunkelheit als sich erahnen lässt. Das LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster zeigte vom 22. Mai 2015 bis zum 29. Mai 2016 die inklusive Sonderausstellung „Leben in der Dunkelheit“. Auf 1.200 Quadratmetern lernten Besucher mit und ohne Behinderung die Vielfalt und die Fähigkeiten von Lebewesen kennen, die sich an ein Leben ohne Licht angepasst haben. Wichtigstes Thema der Ausstellung war die Orientierung in und Anpassung an Dunkelheit und Lichtmangel. Die Ausstellung war für alle Besuchergruppen geeignet. Dank Brailleschrift, einem speziellem Audioguide und Tastmodellen fanden sich auch Menschen mit Sehbehinderung in der Schau zurecht. Und Hörbehinderte Menschen konnten sich beispielsweise an den Riech- und Mitmachstationen die Höhlen, den Boden, die Tiefsee und die Nacht erschließen.

Aufgrund der thematischen Nähe und dem allgemein gültigen Inklusionsgedanken des LWL war ein wichtiger Bestandteil des Ausstellungskonzeptes, die Dunkelheitsschau für alle Menschen zugänglich zu machen. Daher wurden viele Objekte und Stationen eingeplant, die die Sinne ansprachen. „Die Inhalte der Ausstellung sind für alle Sinne erlebbar. Sehend, tastend, riechend und hörend das Leben in der Dunkelheit entdecken“, erklärte Dr. Barbara Rüschoff-Thale bei der Ausstellungseröffnung. „Der LWL setzt sich schon seit Jahrzehnten für ein möglichst selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen ein. Diese Sonderausstellung ist ein Beispiel für die führende Rolle des LWL auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft.“

 

Das Ausstellungsteam freut sich zusammen mit der LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale (2.v.li.) über die gelungene Fertigstellung der neuen Sonderausstellung "Leben in der Dunkelheit". Foto: LWL/Steinweg
Foto: LWL/Steinweg

Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks gibt einen Einblick, was die Besucher zu sehen bekommen: „Die Besucher erwarten in der neuen Sonderausstellung bei rund 700 Ausstellungsobjekten, leuchtende Tiere, riesige Zähne und bizarre Körperformen. Sie erfahren, mit welchen Strategien und Anpassungsleistungen die Organsimen ihre jeweiligen Lebensräume besiedeln und lernen Blobfisch, Vampirfledermaus, Nacktmull, Beilbauch, Höhlenkäfer, Fußball- oder Bügeleisenfisch, Borstenmunder und Fettschwalm näher kennen.“ Ausstellungsmacher und Wissenschaftler Dr. Jan Ole Kriegs hat mit seinen Kolleginnen M.SC. Andrea Florez Jurado und Dr. Katharina Freyth-Weber seit August 2013 das Ausstellungskonzept vorbereitet. Kriegs: „Es ist ein anspruchsvolles Thema. Aber die Ausstellung ist für alle Zielgruppen geeignet, da sich jeder Besucher, egal ob alt oder jung, für seine Bedürfnisse etwas heraussuchen kann. Beispielsweise können Kinder anhand der allein 51 Medienstationen oder den sechs Riechstationen durch die Ausstellungen gehen. Erwachsene erfahren Spannendes über nächtliches Leben und können tiefer in das Thema eintauchen. Blinde können sich – neben allen anderen Besuchern - über die 100 Tastmodelle an 33 Taststationen, acht Hörstationen, den Audioguide und mittels Braille-Schrift durch die Ausstellung bewegen. Hörbehinderte bekommen reichlich Informationen über allein 80 Texttafeln, 34 Filme, unzählige Bilder und noch mehr Objekte zu sehen.“

Als Einstimmung in die Ausstellung wird das Thema „Schlaf“ vorgestellt. Präparate schlafender Tiere dienen als Beispiele für verschiedene Formen des Schlafes im Tierreich. Danach wird das eigentliche Thema „Dunkelheit“ eingeführt, indem der Begriff erläutert und die zentralen Funktionen des Sonnenlichts erklärt werden. Der Großteil der Ausstellung geht auf natürliche, lichtferne, dunkle Lebensräume und deren Bewohner ein. Die einzelnen Ausstellungsbereiche wie Höhlen, Boden, Tiefsee und Nacht zeigen die Vielfältigkeit und Anpassungen des Lebens in der Finsternis. Viele der Anpassungen betreffen die Sinnesleistungen der Organismen, so dass sich Vergleiche zu den üblichen, das heißt dem Menschen zur Verfügung stehenden, Sinnen anbieten und in der Ausstellung auch gezeigt werden.

 

Foto: LWL/Steinweg

Ausstellungsmacherin Andrea Florez Jurado erläutert: „In völliger Finsternis wie in Höhlen, der Tiefsee oder im Boden gibt es eine Vielzahl an meist unbekannten Organismen, vom Einzeller bis zum gigantischen Riesenkalmar oder dem Riemenfisch. Diese kleinen und großen Lebewesen zeigen wir in der Ausstellung. Wir stellen vor, wie das Überleben unter widrigen Lebensraumbedingungen möglich ist und welche körperlichen Besonderheiten es den Organsimen erlauben, diese Lebensräume zu besiedeln.“

Während sich Tiere und Pflanzen im Laufe der Evolution durch besondere Attribute an die Dunkelheit angepasst haben, machte sich der Mensch zunächst das Feuer und schließlich das elektrische Licht zu Nutze, um sich die Finsternis und die Nacht zu erschließen. „Die Dunkelheit hat den Menschen von jeher fasziniert, aber auch erschreckt“, sagt Dr. Katharina Freyth-Weber und fährt fort: „Jeder kennt die unheimlichen Geräusche im Wald bei Nacht. Sie lassen einem trotz der Vertrautheit am Tag in der Nacht einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Woher kommt die Angst im Dunkeln? Die Ausstellung wirft einen Blick auf Mythen und Monster, die ihren Ursprung in der Dunkelheit fanden.“

 

Foto: LWL/Steinweg
Foto: LWL/Steinweg

Die langjährige Kooperation mit dem Fachbereich Design der Fachhochschule Münster wurde auch für diese Sonderausstellung fortgesetzt. Unter der Leitung von Professor Cordula Hesselbarth wurden 14 Projekte Bestandteil der Sonderausstellung.

 

Foto: LWL/Steinweg

Begleitend zur Ausstellung wird ein breites Spektrum an museumspädagogischen Programmen für Kinder und Jugendliche, vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe II, angeboten. Abgerundet wird das Angebot durch Führungen für Erwachsene inklusive Blinden- und Seniorenführungen oder die sogenannten Literarischen Rundgänge (2015 Ausverkauft!) durch die Ausstellung. Das Theaterensemble Freuynde + Gaesdte macht die Ausstellung zur Bühne und zeigt vom 02.12. - 06.12. nochmal sein Stück, das sich thematisch mit der ersten großen deutschen Tiefseeexpedition auf der „Valdivia“ befasst. Gebärdengedolmetschte Führungen (Termine: 20.11.2015, 14.30, Dauer 2 Stunden, Thema: Leben in der Tiefsee und 19.02.2016, 14.30 Uhr, Thema: Leben in der Nacht und unter der Erde). Das Begleitbuch „Leben in der Dunkelheit“ zur gleichnamigen Sonderausstellung ist im Museumsshop erhältlich (ISBN 978-3-940726-32-2, 136 Seite, Preis: wird noch bekannt gegeben). Zudem ist das Buch auch als Hörbuch vorhanden.