Schwarzer Raucher aus Tiefsee im LWL-Museum für Naturkunde

Hydrothermale Tiefseequellen, sogenannte Schwarze Raucher, bilden in der Tiefsee einen eigenen Lebensraum mit vielen, meist nur in dieser Umgebung lebenden Bakterien und Tieren. So einen Raucher haben Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) für die neue Sonderausstellung "Leben in der Dunkelheit" im LWL-Museum für Naturkunde in Münster aufwändig nachgebaut. Der Schwarze Raucher wird in Originalgröße zu sehen sein und durch Projektionen an der Wand ergänzt. Die Tiere, deren Lebensraum der Schwarze Raucher ist, sind als Einzelmodelle für Besucher zugänglich - Anfassen erlaubt.
 

Foto: LWL/Fialla

Die LWL-Präparatoren Tandra Fairbanks-Freund, Svenja Hold und Michael Ludorf haben den Schwarzen Raucher direkt im Ausstellungsraum angefertigt. Seit November vergangenen Jahres haben die drei Fachleute kontinuierlich an der Vollendung des Modells gearbeitet, das einen Durchmesser von drei Metern hat und rund vier Meter hoch ist. Als Vorlage für das Modell dienten ihnen das Foto eines Schwarzen Rauchers im Pazifischen Ozean sowie Bilder unzähliger Tiere, wie Tiefseekrabben, Röhrenwürmer, Oktopusse und Garnelen.

Foto: LWL/Steinweg

"Anhand der Vorlagen haben wir entschieden, mit welchen Materialien wir den Schwarzen Raucher nachbauen", erklärt Präparatorin Svenja Hold und ergänzt: "Zunächst haben wir ein Holzgerüst gebaut und es mit Kaninchendraht umwickelt." Im Anschluss tränkten die Präparatoren Streifen von Jutesäcken mit Gips und fertigten so die Oberfläche des Rauchers an. Um die raue Oberflächenstruktur des Modells nachzubilden, wurde in einem zweiten Schritt weiterer Gips mit Styroporkugeln vermischt, aufgetragen und anschließend bemalt.

Foto: LWL/Steinweg

"Besonders aufwändig war die Anfertigung der Tiere, etwa der Röhrenwürmer und Muscheln, da sie normalerweise zu Tausenden auf dem Schwarzen Raucher vorkommen", betont Fairbanks-Freund. "Für die Herstellung der Tiere machten wir daher Abgüsse anhand von Silikonformen an und konnten sie so zumindest in großer Zahl nachbilden." Eine Herausforderung bestand für die Präparatoren darin, in vier Meter Höhe auf Leitern und Hubwagen zu arbeiten.

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Hintergrund zur Ausstellung

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt ab dem 22. Mai die neue, inklusive Sonderausstellung „Leben in der Dunkelheit“. Auf 1.200 Quadratmetern lernen Besucher die erstaunliche Vielfalt und die beeindruckenden Fähigkeiten von Lebewesen kennen, die sich an ein Leben ohne Licht angepasst haben. Wichtigstes Thema der Ausstellung ist die Orientierung in und Anpassung an Dunkelheit und Lichtmangel. Alle Sinne werden angesprochen und diese Sinne werden auch bei den Besuchern aufgeweckt. So ist die Ausstellung, dank Brailleschrift, einem speziellem Audioguide und unzähligen Tastmodellen, für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Hörbehinderte, die an den Riech- und Mitmachstationen ihre übrigen Sinne erforschen können oder für Sehende, die sich mit Gehör und Geruch die Höhlen, den Boden, die Tiefsee und die Nacht erschließen können. Begleitend zur Ausstellung wird ein breites Spektrum an museumspädagogischen Programmen für Kinder und Jugendliche angeboten. Abgerundet wird das Angebot durch Führungen für Erwachsene oder Literarische Rundgänge durch die Ausstellung.