Blick hinter die Kulissen: Zwitter-Schnecken

Bizarre Meeresbewohner im LWL-Museum für Naturkunde modelliert

Foto: LWL/Oblonczyk

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt die Sonderausstellung "Sex und Evolution" im LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Den Besucher erwarten Einblicke in die verschiedensten Facetten der Fortpflanzung im Tier-und Pflanzenreich und deren Bedeutung für die Evolution.

Für die Ausstellung modellierte Präparator Manfred Schlösser  drei überlebensgroße Meeresschnecken. Mit leuchtend blauer, fluoreszierender Färbung und orangegelber Zeichnung setzte der Präparator des LWL diese zum Teil miteinander verschlungenen Zwitterwesen in einer mit Blaulicht bestrahlten Vitrine in Szene.

"Diese Meeresschnecken haben ein verblüffendes Sexualleben und bekommen deshalb einen ganz besonderen Platz", erklärt Dr. Jan Ole Kriegs, wissenschaftlicher Kurator der Ausstellung. Es handelt sich um Zwitterwesen, die Männchen und Weibchen in einem Tier verkörpern. Zu sehen sind ein einzelnes Tier sowie zwei sich paarende Tiere. "Das Besondere an den Tieren ist", erläutert Kriegs, "dass sie das männliche Geschlechtsteil am Kopf sitzen haben, das weibliche Geschlechtsorgan sitzt dagegen hinten."

Im Februar 2013 begannen die Arbeitsschritte zur Herstellung der übergroßen Modelle. Forschungsmaterial des Tübinger Evolutionsbiologen Dr. Nils Anthes half, den komplexen Körperbau zu verstehen. Anthes forscht an den im Original nur etwa 0,5 Zentimeter großen Schnecken.

Der Präparator Schlösser modellierte ein zirka 100-fach vergrößertes Tonmodell frei nach, das er dann wiederum abformte, um am Ende einen Gipsabguss zu erhalten, der dann wie das Original farbenfroh koloriert wurde. "Um derart komplizierte Körperteile wie die Fühler und den Mantelsaum lebensecht nachbilden zu können, musste ich mit verschiedenen Materialien experimentieren", sagt Manfred Schlösser. "Am Ende wurden an den Gipskörper Fühler aus einem Nylon-Leim-Gemisch angebracht und das Ganze mit fluoreszierenden Farben bemalt."

"Klein, bunt und biestig sind die Meeresschnecken der Gattung Siphopteron", sagt Ausstellungsmacher Kriegs. "Das sie Zwitter sind, ist einerseits ein Erfolgsrezept, denn sie müssen nicht lang suchen und können sich mit jedem Artgenossen paaren, und andererseits ihr Problem. Jeder möchte Vater werden, aber möglichst nicht Mutter..." Warum das so ist, erfährt der Besucher in der Sonderausstellung.

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Die Sonderausstellung „Sex und Evolution“ ist im LWL-Museum für Naturkunde Münster zu sehen. Auf einer Fläche von über 500 Quadratmetern präsentiert das LWL-Museum für Naturkunde das Thema „Sexualität“ als Motor der Evolution. Begleitend zur Sonderausstellung wird ein breites Spektrum an museumspädagogischen Programmen für Kinder und Jugendliche angeboten. Abgerundet wird das Angebot durch attraktive Führungskonzepte für Erwachsene. Zusätzlich finden wieder Literarische Rundgänge durch die Ausstellung sowie Begleitvorträge statt.

Geöffnet hat das Museum an der Sentruper Str. 285 in Münster von dienstags bis sonntags, 9-18 Uhr.