Ausstellung "Sex und Evolution"

Design-Studierende stellen ihre Illustrationen, Filme und Exponate vor

Neun Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Design unter der Leitung von Prof. Cordula Hesselbarth setzten sich mit Fragen auseinander wie z.B. „Wozu ist Sex gut?“ oder „Gibt es Alternativen zur sexuellen Fortpflanzung?“ und bereiteten die Themen anschaulich und informativ auf. Diese etwas „heikle“ Aufgabenstellung erforderte besonderes gestalterisches Fingerspitzengefühl, was aber alle Kursteilnehmer eindrucksvoll unter Beweis stellten. Humorvolle, metaphorisch-erzählerische, oder sachlich-informative Lösungen bieten dem Besucher  ein abwechslungsreiches Ausstellungserlebnis.


Foto: FH Münster/FB Design/Alexandra Blome.
Foto: FH Münster/FB Design/Alexandra Blome.

Spermienkonkurrenz – Rauminszenierung von Alexandra Blome

Viele Tierarten verpaaren sich nicht nur einmal. Dann besteht die Möglichkeit, dass nicht die eigenen, sondern fremde Spermien das Wettrennen um die Befruchtung der Eizelle gewinnen. Die Folge: DerKonkurrenzkampf wird auf Spermienebene fortgeführt. Aus diesem Grund haben Männchen im Laufe der Evolution einige verschiedene Techniken und Tricks entwickelt um ihren eigenen Spermien denm entscheidenen Vorsprung zu verschaffen: Sie entfernen das Sperma des Vorgängers. Sie verschließen das weibliche Geschlecht für Nachfolger mit einem zähen Pfropf. Sie versprühen ein Anti-Aphrodisiakum … Der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Die Arbeit von Alexandra Blome zeigt durch Illustrationen die skurrilsten Techniken. In einer zweiten Ebene, hinter Kläppchen, werden nähere Informationen geboten und diese unglaublichen Anpassungen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, durch Exponate und Fotos belegt.

Eine sportliche Rauminszenierung veranschaulicht die Wettkampfsituation, in der sich die Arten befinden.

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Foto: FH Münster/FB Design, Lisa Henke.
Foto: FH Münster/FB Design, Lisa Henke.

Zwitter – eine Ausstellungsstation über Hermaphroditismus im Tierreich von Lisa Henke

Männchen haben ungleich mehr Spermien zur Verfügung als Weibchen Eizellen. Und während Männchen eher darauf aus sind, ihre Gene so weit wie möglich zu verbreiten, möchten Weibchen hingegen ihre Ressourcen für das Männchen mit den besten Genen aufsparen. Was machen aber Tiere, die beides zugleich sind?

Das Projekt »Zwitter« von Lisa Henke beschäftigt sich damit, wie Regenwurm und Co. ihre Doppelgeschlechtlichkeit handhaben und welche Strategien sie verwenden, um ihre Interessen beim Paarungspartner durchzusetzen. Sie möchten einerseits ihr eigenes Erbgut weitergeben, aber gleichzeitig verhindern, dass ein dahergelaufener Artgenosse ihnen seines aufzwingt. Das kann bei einer Art ganz friedlich ablaufen, indem ungeeignete Spermien einfach verdaut werden; eine andere Art hingegen beschmiert den Partner mit ätzender Samenflüssigkeit, was zu lebensbedrohlicher Verstümmelung führen kann. Weshalb lohnt es sich für Zwitter, dieses Risiko in Kauf zu nehmen?

Kern der Arbeit war es, die teilweise brutalen Sexualpraktiken von
Zwittern auf eine Art darzustellen, die anschaulich ist, ohne sie zu verniedlichen oder zu reißerisch zu konzipieren. Inspiriert von naturalistischer Fabelillustration, entwickelte Lisa Henke eine metaphorische Bildsprache, die sich nicht unbedingt an der Darstellung kopulierender Tiere orientiert, sondern den Fokus auf die Konsequenzen legt, die aus unterschiedlichen Paarungsritualen für die Zwitter resultieren.

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Foto: FH Münster/FB Design, Mara Kangeris.
Foto: FH Münster/FB Design, Mara Kangeris.

Alternativen zu Sex – eine Ausstellungsstation von Mara Kangeris

Asexuelle Vermehrung findet man bei Bakterien, Pilzen, Einzellern, Pflanzen und manchen Tieren. Der Vorteil liegt eindeutig darin, dass kein Partner für die Fortpflanzung benötigt wird. Vor allem für Pflanzen und andere festsitzende Arten ist asexuelle Vermehrung eine vorteilhafte Alternative zu Sex. Abgesehen von Mutationen entstehen durch Zellteilung identische Kopien des Elternorganismus, die in großer Zahl produziert werden können. Vielzellige Organismen, wie Blattläuse, vermehren sich allerdings nicht durch Teilung, sondern durch Jungfernzeugung (Parthenogenese). Die Vermehrung erfolgt nicht durch einfache Körperzellen, sondern die Nachkommen entwickeln sich aus unbefruchteten Eizellen.

In dieser Station werden die verschiedenen Formen von asexueller Vermehrung und Parthenogenese dargestellt und es werden deren Vor- und Nachteile erklärt.

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Foto: FH Münster/FB Design, Maren Hötten.
Foto: FH Münster/FB Design, Maren Hötten.

Was ist Sex? – Interaktives Lernspiel von Maren Hötten

Was ist eigentlich Sex und wie funktioniert die menschliche Fortpflanzung? „Was ist Sex?“ bereitet diese Fragen in Form eines Spiels auf und verpackt Themen wie Zellteilung, Befruchtung u.ä. in kleine Animationen und Aufgaben, die das Verständnis dieser komplexen Prozesse erleichtern.

In drei Kapiteln nimmt der Spieler an der Entstehung eines neuen Lebens teil. Er bekommt viele Infos rund um das Thema Fortpflanzung und kann in interaktiven Spielen auf viele Vorgänge selbst Einfluss nehmen. Er kann DNA zusammen bauen, Keimzellen teilen und den Spermien den Weg zur Eizelle zeigen. Die Funktion von Eizelle, Spermium, Polkörperchen u.v.m. wird spielerisch vermittelt und ihre Rolle bei der Fortpflanzung erklärt.

Das Lernspiel „Was ist Sex?“ wird für den Touch-Screen realisiert und soll durch Interaktivität das komplexe Thema Fortpflanzung spielerisch und leicht verständlich vermitteln.

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Foto: FH Münster/FB Design, Mathis Claßen.
Foto: FH Münster/FB Design, Mathis Claßen.

Das Paarungsverhalten der Heckenbraunelle – ein interaktives Lernspiel von Mathis Claßen

In diesem Spiel kann der Museumsbesucher nachvollziehen wie Paarungssysteme entstehen. Dazu schlüpft man in die Rolle einer Heckenbraunelle.

Ist der Familienverbund das optimale Paarungssystem für alle Arten? Das Paarungssystem der Heckenbraunelle ist äußerst variabel. Von Monogamie (Paarbeziehung) über Polygynie (Vielweiberei) bis Polyandrie (Vielmännerei) ist alles vertreten.

Alles hängt davon ab, wie viele Paarungspartner zur Verfügung stehen und wie groß das Nahrungsangebot ist. Alle Tiere haben das Ziel möglichst viele Nachkommen zu zeugen und so ihre Gene in die nächste Generation zu retten. Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgen Männchen und Weibchen allerdings unterschiedliche Strategien. Während männliche Tiere versuchen möglichst viele Eier zu befruchten, müssen die Weibchen aufpassen, keines Ihrer kostbaren Eier an einen schlechten Vater zu verschwenden.

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Foto: FH Münster/FB Design, Pascal Nöldner.
Foto: FH Münster/FB Design, Pascal Nöldner.

Geschlechtsbestimmung – eine Rauminstallation von Pascal Nöldner

„Was ist es denn, ein Junge oder ein Mädchen?“ ... Eine Frage, die Eltern während der Schwangerschaft sicherlich oft zu hören bekommen. Aber warum es entweder das eine oder das andere ist, wissen die meisten nicht.

Die Rauminstallation zum Thema „Geschlechtsbestimmung“ geht der Sache mit fünf Beispielen auf den Grund. So erfährt der Besucher in einem abgedunkelten Raum z.B. auch, dass das Geschlecht von der Temperatur abhängen kann und Eidechsen ab Temperaturen über 30 °C nur noch männliche Nachkommen haben.

Erklärt werden die Beispiele in kleinen Animationsfilmen, die der Besucher interaktiv, durch das Berühren von leuchtenden Eierskulpturen, starten kann. Abgerundet wird das Ganze durch illustrierte Informationstafeln, die noch weiter ins Detail gehen.

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Foto: FH Münster/FB Design, Patricia Limberger.
Foto: FH Münster/FB Design, Patricia Limberger.

Wozu ist Sex gut? – Ausstellungsstation von Patricia Limberger

Direkt zu Beginn der Sonderausstellung Sex und Evolution wird der Besucher vor die Frage gestellt: Wozu ist Sex gut? Das klingt zunächst banal – denn wie sonst sollte man sich fortpflanzen?

Doch es gibt tatsächlich denkbare, ungeschlechtliche Alternativen, sowie zahlreiche Arten, die sie praktizieren. Warum also müssen trotzdem die Männchen und Weibchen der meisten Arten lange balzen, sich paaren und dabei Krankheiten und potenziellen Räubern widerstehen, wenn sie stattdessen einfach Eier mit genetischen Kopien ihrer Selbst legen könnten?

Dieser und anderen Fragen geht die Ausstellungsstation von Patricia Limberger über sieben Ausstellungstafeln hinweg nach. Unter Leitfragen wie „Ist Sex ein teurer Luxus?“ oder „Rettet uns Sex das Leben?“ werden kuriose Hauptaussagen, z.B. „Wozu braucht Frau einen Mann, wenn sie sich selbst kopieren kann?“ in erzählerischen Bildern plakativ und auf liebevolle Weise dargestellt. Kurze Texte und begleitende Grafiken liefern zusätzlichen naturwissenschaftlichen Hintergrund. So bietet die Station dem Besucher einen kurzweiligen Einstieg in die kuriose Welt der Evolution und Sexualität.

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Foto: FH Münster/FB Design, Sarah Schwerda.

Typisch männlich, typisch weiblich, alles klar? – Eine Station zur Definition von Sex und Gender von Sarah Schwerda

Im ersten Moment scheint jeder genau zu wissen, was weiblich oder männlich, vor allem aber was typisch für ein Geschlecht ist. Bei genauerer Betrachtung erweist sich das jedoch als nicht so einfach.

In ihrer Station nimmt Sarah Schwerda alles rund um den Begriff Geschlecht genau unter die Lupe: Was sind die biologischen Faktoren, die das Geschlecht ausmachen, was verbirgt sich hinter dem englischem Begriff Gender? Was ist eine Geschlechtsidentität und wie sehr nimmt die Gesellschaft Einfluss darauf, ob wir uns selbst als eher männlich oder eher weiblich darstellen?

Im Rahmen der Station war es Sarah Schwerda besonders wichtig, den allumfassenden Begriff des Geschlechts aufzufächern und in seiner Vielschichtigkeit zu präsentieren - denn entgegen der in Gesellschaft und Medien vorherschenden Rollenvorstellungen gibt es keine rein weiblichen oder männlichen Schubladen, in die wir passen! 

Die Gestaltung gibt dem Betrachter den angemessenen Raum, um sich eingehend mit dem Thema zu beschäftigen: Die verschiedenen Aspekte des menschlichen Geschlechts werden zu Teilen eines Puzzles. Ein jedes kann einzeln aufgedeckt und in Ruhe gelesen werden. Jeder Aspekt wird außerdem durch die symbolhafte Darstellung von Gliederpuppen illustriert. So wird Stück für Stück klar, wie komplex der Begriff des Geschlechts und wie weich/fließend die Grenze zwischen männlich und weiblich in Wahrheit ist.

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Foto: FH Münster/FB Design, Valeri Krieger.

Liebesmittel – ein Semesterprojekt von Valeri Krieger

Seit Jahrhunderten wissen Menschen um die luststeigernde Wirkung bestimmter tierischer, pflanzlicher oder mineralischer Substanzen.Das Wort »Aphrodisiakum« stammt aus dem griechischen und ist abgeleitet von »Aphrodite« – der Göttin der Liebe. Ihre Mittel wirken auf den Menschen reizend und auf sein sexuelles Verlangen anregend.

Was als Aphrodisiakum gilt ist kulturell definiert – es gibt für Liebesmittel weder wissenschaftliche noch pharmakologische oder medizinische Definitionen. Als Aphrodisiakum gilt jede Substanz, die von Menschen als Liebesmittel angesehen und als dieses verwendet wird. Somit stellt sich die Frage, warum bestimmte Mittel als Liebesmittel klassifiziert werden und andere nicht. Die Antworten beruhen auf kulturellen Perspektiven und persönlich interpretierten Erfahrungen.

Valeri Kriegers Arbeit beschäftigt sich mit einer kleinen Auswahl von Liebesmitteln, die uns als »Lebensmittel« in unserem alltäglichen Leben begegnen. Diese stimulieren die unterschiedlichsten menschlichen Sinne – Geschmack, Geruch, Aussehen oder Tastsinn. In seinen Schautafeln ergänzen sich Zeichnungen und Texte und klären den Betrachter über kulturelle oder wissenschaftliche Bedeutung des jeweiligen Liebesmittels auf.

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Weitere Informationen zu den Projekten der Studierenden der Fachhochschule Münster, Fachbereich Design, finden Sie unter: FH Münster