Blick hinter die Kulissen: Biene mit Untermietern

Ungewöhnliches Modell für neue Sonderausstellung

Foto: LWL/Fialla

Für die Sonderausstellung "Sex und Evolution" wurde das 40-fach vergrößerte Modell einer Biene einschließlich der in ihr lebenden Fächerflügler von den Präparatoren des Museums gebaut.

Die Fächerflügler legen ein besonders skurriles Sexualverhalten an den Tag. Sie leben als Parasiten: Ihre Larven entwickeln sich in Bienen. Während die Männchen mit der Geschlechtsreife Flügel ausbilden und ihren Wirt verlassen, verbleiben die Weibchen für den Rest ihres Lebens im Körper der Biene. Einzig mit dem Kopf schauen sie zwischen aus dem Hinterleib der Biene heraus. Da dieser die einzige zugängliche Stelle ist, werden die Weibchen von den Männchen durch den Kopf begattet.

Bei der Herstellung des Bienenmodells war vor allem der Einfallsreichtum der Fachleute gefragt. Aus einem Block Hartschaumstoff, der eigentlich zur Dämmung von Häusern eingesetzt wird, schnitzte Präparator Michael Ludorf den Kopf, die Brust und den Hinterleib der Biene. Zwischen den Hinterleibsegmenten ließ der Präparator an mehreren Stellen kleine Einbuchtungen stehen, aus denen später die Köpfe weiblicher Fächerflügler heraus schauen.

Foto: LWL/Oblonczyk

Nun begann die eigentliche Feinarbeit. Mit einem Gerät, das in Zahnarztpraxen zu finden ist, drückte Ludorf kleine Dellen in die Modelliermasse und ahmte so die feine Struktur des Bienenpanzers nach. Von der fertigen Knetform der einzelnen Körperteile wurden Silikonformen hergestellt. Um die endgültige Form des Bienenkörpers zu erhalten, wurden sie anschließend mit Kunstharz ausgegossen.

Die Präparatorinnen Svenja Hold und Tandra Fairbanks-Freund bohrten kleine Löcher in den Körper und setzten nach dem Anmalen der noch nackten Biene Haare ein. "In jedes der Löcher kleben wir ein gewelltes Ziegenhaar." berichtet Fairbanks-Freund und ergänzt: " Die richtige Farbe wird mit einer Airbrush-Pistole aufgetragen." Abschließend wurden dem Bienenmodell die fein geaderten Flügel, die Fühler und die Beinpaare angesetzt.

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Die Sonderausstellung „Sex und Evolution“ ist im LWL-Museum für Naturkunde Münster zu sehen. Auf einer Fläche von über 500 Quadratmetern präsentiert das LWL-Museum für Naturkunde das Thema „Sexualität“ als Motor der Evolution. Begleitend zur Sonderausstellung wird ein breites Spektrum an museumspädagogischen Programmen für Kinder und Jugendliche angeboten. Abgerundet wird das Angebot durch attraktive Führungskonzepte für Erwachsene. Zusätzlich finden wieder Literarische Rundgänge durch die Ausstellung sowie Begleitvorträge statt.

Geöffnet hat das Museum an der Sentruper Str. 285 in Münster von dienstags bis sonntags, 9-18 Uhr.