Allgemeine Informationen zur Sonderausstellung "Sex und Evolution"

Ausstellung beendet! Die Ausstellung wurde bis zum 11. Januar 2015 gezeigt!

Aufgrund der großen Nachfrage, gerade von Schulen, hatte das LWL-Museum für Naturkunde die Ausstellung bis zum 11. Januar 2015 verlängert.

Foto: LWL/Oblonczyk

Sex als Motor der Evolution

Bunte Vogelmännchen, imposante Geweihe, farbenfrohe Schmetterlinge, leuchtende Käfer, Gesänge und Brautgeschenke. Wozu soll das gut sein? Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt die  Ausstellung "Sex und Evolution" im LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Die Schau mit 450 Exponaten und Objekten widmet sich auf über 500 Quadratmetern der "schönsten Sache der Welt". Den Besucher erwarten Einblicke in die verschiedensten Facetten der sexuellen Fortpflanzung im Tier- und Pflanzenreich und deren Bedeutung für die Evolution. Und auch der Mensch mit seiner Sexualität ist Thema der Sonderausstellung.

Foto: LWL/Oblonczyk

"Das Schlafzimmer der Natur

Die Besucher erfahren, warum die aufwendige sexuelle Fortpflanzung trotzdem als "Motor der Evolution" sehr erfolgreich ist. Der entscheidende Vorteil von Sex aus biologischer Sicht ist, dass er es einer Art ermöglicht, Nachkommen mit unterschiedlichen Eigenschaften zu bekommen und sich damit besser an Veränderungen ihrer Umwelt anzupassen.

Die Ausstellung zeigt auch, warum das "Schöne" oft nicht das weibliche Geschlecht ist, klärt auf, wie Männchen ticken und was Weibchen wollen und wie sie trotz unterschiedlicher Interessen am Ende doch zusammen finden. Gezeigt wird zum Beispiel das skurrile Paarungsverhalten der Bettwanze ebenso wie die Verführungskünste des Laubenvogels. Die Besucher erfahren was ein Liebespfeil ist und lernen, warum das Schnüffeln an verschwitzten T-Shirts Menschen mitunter bei der Partnersuche hilft.

Die unterschiedlichsten Strategien der Natur bei der Partnerwahl und Paarung werden vorgestellt und mit naturkundlichen Objekten, Fotos, Grafiken sowie interaktive Medien und Mitmach-Stationen erklärt. Die Besucher betreten mit uns das Schlafzimmer der Natur. Konzipiert ist die Ausstellung ohne Alterseinschränkung für Familien mit Kindern, Studenten, Erwachsene bis hin zu den Senioren.
 

Foto: LWL/Oblonczyk

Viel Aufwand für die Evolution

Zwei Jahre lang bereiteten die Ausstellungsmacher Lisa Klepfer und Dr. Jan Ole Kriegs unter der Leitung von Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks die Ausstellung vor. Dr. Alfred Hendricks: "Sexuelle Fortpflanzung ist aufwendig und zeitraubend - trotzdem pflanzt sich die Mehrheit der Arten auf dieser Erde sexuell fort. Bereits im Eingangsbereich der Ausstellung verdeutlichen dies verschiedene Tiere, die in Paarungsstellung zu sehen sind, unter ihnen Rothirsch, Fuchs, Igel und auch der Mensch."

"Was Sex angeht, hat die Evolution in der Natur viel Bizarres hervorgebracht. Auch das menschliche Sexualverhalten wurde im Laufe der Evolution sehr vielfältig", sagt der Wissenschaftler
Dr. Jan Ole Kriegs und fährt fort: "Wir zeigen, welche Rolle Sex in verschiedenen Kulturen gespielt hat und wie Sitten und Gesetze das Sexualleben der Menschen beeinflussen."

Biologin Lisa Klepfer sagt: "Aus evolutionsbiologischer Sicht ist es das oberste Ziel aller Lebewesen, sich fortzupflanzen und die eigenen Gene an die nächste Generation weiterzugeben. Im Laufe der Evolution haben sich daher verschiedenste Fortpflanzungsstrategien entwickelt. Bei den meisten Tieren und Pflanzen ist die zweigeschlechtliche, sexuelle Fortpflanzung der bei weitem häufigste Fortpflanzungstyp. Doch es gibt auch Strategien, die auf dem Prinzip der nichtgeschlechtlichen, also asexuellen Fortpflanzung beruhen: viele Pflanzen bilden Ableger; Bakterien und andere Einzeller vermehren sich durch einfache Zweiteilung. Der Vorteil: Erfolgreiche Genkombinationen bleiben erhalten und eine mühsame Suche nach Fortpflanzungspartnern entfällt."

Foto: LWL/Oblonczyk

Zwei Seelen in einer Brust

Zwitter sind Männchen und Weibchen in einem. Sie können sich dadurch mit jedem Artgenossen paaren, dem sie begegnen. Da Zwitter bei der Paarung in der Regel gerne die männliche Rolle übernehmen möchten und es vermeiden, das Weibchen zu sein, haben sie ein teils skurriles Paarungsverhalten entwickelt: Weinbergschnecken stechen ihren Partner mit einem Liebespfeil, der sie verweiblicht. Plattwürmer schmieren ätzendes Sperma auf den Rücken ihres Partners und wieder andere handeln mit ihren Eiern und Spermien.

Das LWL-Museum hat bei dieser Sonderausstellung wieder mit Prof. Cordula Hesselbarth vom Fachbereich Design der Fachhochschule Münster zusammen gearbeitet. Zahlreiche Studentenarbeiten sind in der Ausstellung zu sehen. Eine der Arbeiten hat sich auch mit den Zwittertieren auseinandergesetzt und in Form von Grafiken und Kurztexten auf Stelen das ungewöhnliche Thema aufgearbeitet.

Foto: LWL/Oblonczyk

Im Tierreich ist Homosexualität weit verbreitet: Bei über 1.500 Tierarten wurde Homosexualität bereits wissenschaftlich dokumentiert, bei 300 auf seine Bedeutung hin untersucht, darunter Delfine, Giraffen und Pinguine. Pinguine etwa brüten als gleichgeschlechtliches Paar erfolgreich fremde Eier aus und ziehen ihre Jungen groß. Fast immer kommen hetero- und homosexuelle Verhaltensweisen nebeneinander vor, denn sie erfüllen unterschiedliche Funktionen. Bei einigen Tieren etwa gehören gleichgeschlechtliche Verhaltensweisen zum Sozialverhalten. Entgegen früherer Vorstellungen handelt es sich nicht um abnormales Verhalten, sondern um einen Teil des normalen Verhaltensrepertoires vieler Tierarten.

Foto: LWL/Oblonczyk

Bizarre Brautgeschenke

Geschenke zur Vermählung gibt es nicht nur bei menschlichen Hochzeiten, sondern auch im Tier-reich: Skorpionsfliegen offerieren ihren Weibchen ein Brautgeschenk zur Paarung - ein totes Insekt oder sogenannte Speichelbonbons. Das Geschenk wird während der Paarung verzehrt. Ein großes Modell der Skorpionsfliege (Maßstab 36:1) befindet sich in der Ausstellung, gebaut hat es der Modellbauer Detlev Gregorczyk, der dafür sogar einen Preis gewann (Weltmeisterschaft der Präparatoren 2012 in Salzburg).

Die Geschenke können jedoch auch recht bizarr wirken, da sie oft Teile des eigenen oder sogar des ganzen Körpers beinhalten. So werden die Männchen vieler Spinnenarten nach dem Akt von den Weibchen verzehrt. Diese Verhaltensweise wird als sexueller Kannibalismus bezeichnet und kommt bei Spinnen sowie Fangschrecken häufig vor. In der Ausstellung ist ein Modell einer Wespenspinne (Maßstab 20:1) bei der Paarung zu sehen. Die Designerin und Modellbauerin Julia Stoess hat in fünfmonatiger Arbeit alle Körperteile der Wespenspinne maßstabsgerecht vergrößert modelliert, mit Silikon abgeformt und anschließend mit Kunststoff ausgegossen, die Haare implantiert und das Modell koloriert.

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