Münster ist wieder Otterland

Der Fischotter breitet sich in Westfalen aus

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts war der Fischotter in Nordrhein-Westfalen ausgestorben. Nun kehrt er mit großen Sätzen zurück. Ein Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) konnte frische Spuren und Kot von Fischottern an der Münsterschen Aa entdecken.

Dr. Jan Ole Kriegs und ein Fischotter vor dem Ortseingangsschild Münster. Foto: LWL/Steinweg
Dr. Jan Ole Kriegs bei der Montage einer Fotofalle. Foto: LWL/Steinweg

„Jetzt sind Fischotter erstmals im Stadtgebiet von Münster sowie in anderen Bereichen im Einzugsgebiet der Ems wieder aufgetaucht.“ sagt Dr. Jan Ole Kriegs, Biologe am LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Er hatte kürzlich die frischen Spuren entdeckt. „Auch nahe der Außenstelle des Museums am Heiligen Meer bei Recke im Kreis Steinfurt sind uns jüngst Otter vor die Fotofalle getappt. Das ist eine Sensation“, sagt Kriegs. Seit dem Jahr 2009 ist eine kleine Population im zentralen und westlichen Münsterland bekannt, die durch die Biologische Station im Kreis Recklinghausen und das LWL-Museum für Naturkunde in Münster untersucht und überwacht wird. Eine Ausbreitung in größere Flüsse wie die Lippe, die Berkel oder die Dinkel konnte bereits nachgewiesen werden.

Christian Göcking, Anne Schulze Niehoff und Dr. Jan Ole Kriegs. Foto: LWL/Steinweg

Gemeinsam mit Anne Schulze Niehoff von der Unteren Landschaftsbehörde im Kreis Warendorf und Christian Göcking von der NABU-Naturschutzstation Münsterland konnte Kriegs jüngst auch Otter an einigen Gewässern im nördlichen Kreis Warendorf aufspüren. Christian Göcking: „Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Das hätte ich kaum für möglich gehalten.“

Christian Göcking, Anne Schulze Niehoff und Dr. Jan Ole Kriegs bei der Montage einer Fotofalle. Foto: LWL/Steinweg

Doch warum breitet sich der Fischotter wieder aus? Zwei wichtige Grundvoraussetzung für den Otter sind erfüllt, weiß Anne Schulze Niehoff: „Er steht unter strengem Schutz gemäß Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und findet genügend Nahrung in den Bächen und Gräben des Münsterlandes." Grund zur Entwarnung ist die Rückkehr des Otters für Naturschützer wie Göcking jedoch noch nicht: „Um dem Otter und vielen anderen Arten wieder bestmögliche Bedingungen in unserer Gegend zu bieten, muss noch viel passieren. Mit ersten Renaturierungen sind wir aber schon auf einem guten Weg.“

Fotofallenbild eines Fischotters am Heiligen Meer im Kreis Steinfurt . Foto: LWL/Lindenschmidt

Die Zoologen werden die Entwicklung der Fischotterbestände in Nordrhein-Westfalen auch künftig weiter überwachen. Derzeit überholt der Fischotter die Forscher regelrecht: „Wir haben gerade eine Veröffentlichung zur aktuellen Verbreitung des Fischotters in NRW im Druck – da kommen schon wieder neue Nachweise rein und die Veröffentlichung ist bereits teilweise veraltet.“ sagt Kriegs. Für 2015 ist außerdem die Freischaltung eines Online-Atlasses der Säugetiere Nordrhein-Westfalens geplant. Auf der Homepage soll sich jeder Internet-Nutzer über die aktuelle und die vergangene Verbreitung der Säugetierarten im Lande, so auch die des Fischotters, informieren können.

Hintergrundinformationen

Quelle: NABU NRW

Schutzstatus
International
Der Fischotter fällt unter Anhang II der Berner Konvention von 1979. Diese soll den Schutz empfindlicher und gefährdeter Arten einschließlich wandernder Arten und ihrer Lebensräume gewährleisten. Es ist verboten die "streng geschützten Tiere" des Anhang II zu fangen, zu beunruhigen oder zu töten. Es darf kein Handel mit diesen Tieren betrieben werden und ihre Brut- und Raststätten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden. Der Fischotter unterliegt auch den Vorschriften der EG-VO 338/97 und der FFH Richtlinie IV.

National
Der Fischotter gehört zu den streng geschützten Arten gemäß §7 BNatschG.
Rote Liste BRD: gefährdet
Rote Liste NRW: vom Aussterben bedroht

 

Jagdrecht
Bundesjagdgesetz
Der Fischotter wird im Bundesjagdgesetz als jagdbare Art aufgeführt, hat aber keine Jagdzeit.

Landesjagdzeitenverordnung
Der Fischotter hat in NRW keine Jagdzeit.

Forschung

Fischotterforschung

Fischotter. Foto: Jan Ole Kriegs

Zoologie - Wirbeltiere

Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) beteiligt sich an der Erforschung von der Verbreitung und der Biologie der heimischen Wirbeltiere. Im Rahmen dieses Projektes wird der Fischotter Lutra lutra untersucht. Die Art ist erst vor kurzem wieder in Westfalen eingewandert, nachdem sie Mitte des 20. Jahrhunderts ausgestorben war.
 

Drei Veröffentlichungen zu dem Thema finden Sie hier:

Fischotternachwuchs

Forschungsergebnisse des LWL-Museums für Naturkunde zeigen: Fischotternachwuchs tollt durchs Münsterland

Fischotter. Foto: Jan Ole Kriegs

Filmischer Nachweis in Westfalenausstellung zu sehen

Nach der Ausrottung des Fischotters in Nordrhein-Westfalen (NRW) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es in NRW für Jahrzehnte keine Otter mehr. Als dann im Jahre 2009 überraschend zwei Fischotter im Münsterland dem Straßenverkehr zum Opfer fielen, wurden Wissenschaftler hellhörig. Eine Arbeitsgruppe des LWL-Museums für Naturkunde vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Biologischen Station im Kreis Recklinghausen untersucht seitdem kontinuierlich mögliche Vorkommen zurückgekehrter Tiere. So konnten die Zoologen dann auch tatsächlich im zentralen und westlichen Münsterland eine kleine Population des Fischotters wiederentdecken. Die Art kehrt also seit kurzem zurück ins Münsterland.

Belegt mittels Fotofalle: Fischotter im Münsterland. Foto: LWL/Kriegs

Die Tiere vermehren sich erfolgreich. „Schon im dritten Jahr in Folge konnten wir an einem Bach eine Ottermutter mit Jungtieren nachweisen“ sagt Dr. Jan Ole Kriegs, Zoologe am LWL-Museum für Naturkunde. „Wir konnten diese Tiere mithilfe unserer versteckten Kamera fotografieren“, erklärt Kriegs. Wahrscheinlich gibt es auch an verschiedenen anderen Gewässern schon Nachwuchs. Das LWL-Museum für Naturkunde hat aus diesem Anlass seine Themenausstellung „Westfalen im Wandel“ aktualisiert und stellt den Fischotter etwas genauer vor. Aus dem „ausgestorbenen“ Fischotter wurde außerdem ein „Rückkehrer“.

Sandra Fünfstück und Dr. Jan Ole Kriegs. Foto: LWL/Oblonczyk

Im Museum und auf der Museumswebseite ist ab sofort ein Film über die Fischotter im Münsterland zu sehen, der die aktuellsten Forschungsergebnisse erläutert und Aufnahmen der Rückkehrer enthält. Ein Fischotter-Präparat wurde in ein Uferdiorama der Ausstellung gesetzt. Der durch die Präparatorin Sandra Fünfstück präparierte Otter wurde ein Opfer des Straßenverkehrs im brandenburgischen Spreewald. Er wurde dem Museum durch die Verwaltung des dortigen Biosphärenreservates zur Verfügung gestellt. Neben dem Diorama sind Belegfotos im Münsterland lebender Fischotter zu bewundern. Diese wurden mit Hilfe von Fotofallen des Museums nachgewiesen. "Wir bemühen uns, dem Besucher durch solche Originalaufnahmen Einblicke zu geben, wie man nachtaktive und heimliche Tiere mittels Fotofallen nachweisen kann." sagt der Wirbeltierzoologe.

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