Originale Unterwasserstation vor dem Museum

Interview mit dem Museumsdirektor und Ausstellungsmacher Dr. Jan Ole Kriegs

Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs mit den beiden Ausstellungsmacherinnen Vanessa Rüttler und Jana Johe (von links nach rechts). Foto: LWL/Fialla.

Als größtes technisches Ausstellungsstück wurde am Donnerstag, 11.8., eine Unterwasserstation angeliefert. Die Unterwasserstation BAH-I, eine Abkürzung für Biologische Anstalt Helgoland-I, ist eine Leihgabe vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund. Sie ist so groß und schwer, dass sie auf dem Museumsvorplatz aufgestellt werden musste und die Besucher schon dort empfängt. Hier kann sie von Interessierten auch außerhalb der Öffnungszeiten angesehen werden.

Was hat es mit dem Unterwasserlabor, der Station, auf sich?

Jan Ole Kriegs: Die Unterwasserstation BAH I, die wir im Zusammenhang mit unserer Sonderausstellung „Wasser bewegt“ zeigen, ist eine Station, die im Jahre 1968 von der Firma Babcock in Oberhausen gebaut wurde. BAH steht für Biologische Anstalt Helgoland. Denn von dort aus planten Wissenschaftler ihre Einsätze mit dem Labor. Es war die erste Station dieser Art und sollte dazu dienen, den Meeresboden zu erforschen und Experimente zur Besiedelung des Meeresbodens durchzuführen.

 
Kam die Station tatsächlich zum Einsatz?

Jan Ole Kriegs: Ja. Sie wurde in den Jahren 1968 und 1969 in der Ostsee und auch im Bodensee eingesetzt.

 
Wie muss man sich so einen Einsatz vorstellen?

Jan Ole Kriegs: In dem Unterwasserlabor fanden zwei Taucher Platz. Sie wurden in der Station auf den Meeresboden heruntergelassen. Das Labor war so eingerichtet, dass die Taucher über mehrere Tage darin auf dem Meeresgrund wohnen konnten. Sie haben von dort aus geforscht und Erkenntnisse gesammelt.

Die BAH-I in Stralsund. Foto: Romy Kiebel/Deutsches Meeresmuseum Stralsund

Was passierte dann mit der Unterwasserstation?

Jan Ole Kriegs: Nachdem sie zunächst vier Jahre lang auf dem Gelände der Technischen Universität Clausthal stand, wurde sie als Dauerleihgabe an das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund übergeben. Von dort haben wir das Labor in unser Museum geholt.

Der Transport hierher war aber nicht einfach, oder?

Jan Ole Kriegs: Richtig. Der logistische Aufwand war schon recht hoch. Der Transport wurde schon allein dadurch spektakulär, dass das sechs Meter lange und 20 Tonnen schwere Teil über eine Brücke von der Insel Dänholm (Stralsund) transportiert werden musste. Anschließend kam die Station mit einem Schwertransport zu uns. Wir haben die Unterwasserstation auf unserem Museumsvorplatz aufgestellt. Interessierte können sie also auch außerhalb unserer Öffnungszeiten ansehen.

Anlieferung der 6 Meter langen und 20 Tonnen schweren Unterwasserstation. Foto: LWL/Steinweg.

Warum sollte das Unterwasserlabor unbedingt in der Ausstellung gezeigt werden?

Jan Ole Kriegs: Das BAH I ist in dieser Form ein einzigartiges historisches Objekt und technisch sehr hochwertig. Wir sind den Kollegen im Deutschen Meeresmuseum, allen Voran dem Direktor Dr. Harald Benke und dem Kurator Michael Mäuslein, sehr dankbar, dass Sie uns dieses beeindruckende Exponat und die dazugehörigen Hintergrundinformationen zur Verfügung gestellt haben.

Aufbau der Unterwasserstation auf dem Vorplatz des LWL-Museum für Naturkunde. Foto: LWL/Steinweg.

Hintergrund zur Ausstellung

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt vom 30. September 2016 bis zum 30. Oktober 2017 die inklusive Sonderausstellung "Wasser bewegt - Erde Mensch Natur". Auf 1.200 Quadratmetern lernen Besucher, welche Herausforderungen der Lebensraum Wasser birgt. In der Ausstellung werden Lebewesen vorgestellt, die perfekt an das Leben im Wasser oder an Leben ohne Wasser angepasst sind. Besucher aller Altersgruppen erleben die Schönheit, Kraft und die Bedeutung des Wassers für die Erde. Die Ausstellung ist dank Brailleschrift, einem speziellem Audioguide und Tastmodellen für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Sehende oder für Hörbehinderte. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.