Im Kopfstand zum Erfolg - Tierische Tricks Wassermangel auszugleichen

Interview mit den Austellungsmacherinnen Vanessa Rüttler und Jana Johe

Der Nebeltrinker-Käfer. Foto: LWL/Steinweg

Was ist ein Nebeltrinker-Käfer?

Vanessa Rüttler: Der Nebeltrinker-Käfer ist eine Käferart, die sich auf besondere Weise an das sehr wasserarme Leben in der Wüste angepasst hat.

Wo lebt er?

Vanessa Rüttler: Er kommt endemisch (auf einen Lebensraum begrenzt) nur in der westafrikanischen Namib-Wüste vor. Die Namib-Wüste liegt in dem Gebiet zwischen Namibia und Angola.

Was ist das Besondere an ihm?

Jana Johe: Auf den ersten Blick fallen seine langen Hinterbeine auf, mit denen er einen Kopfstand machen kann. Diese Technik ist für sein Überleben sehr wichtig.

 

Foto: LWL/Fialla

Wozu macht er das?

Vanessa Rüttler: Die Namib-Wüste ist sehr wasserarm. Um an Wasser zu kommen, hat der Nebeltrinker-Käfer eine ganz spezielle Strategie entwickelt, mit der er möglichst viel Wasser gewinnen kann. Wie sein Name schon vermuten lässt, deckt er seinen Bedarf an Flüssigkeit, indem er die Wassertropfen aus dem Nebel trinkt. Es kommt in der Namib-Wüste häufig vor, dass Nebel vom Atlantik bis in die Wüste herüber zieht. Dort wo solche Nebelfelder auftauchen, stellt sich der Nebeltrinker-Käfer auf einen Dünenkamm. Mit Hilfe seiner langen Hinterbeine macht er einen Kopfstand im 23° Grad Winkel. Die bereits kondensierten Wassertröpfchen aus dem Nebel bleiben an seinem Panzer hängen und rinnen, dank der besonderen Struktur seines Panzers, direkt in sein Maul.

 

Foto: LWL/Ludorf

Gibt es noch andere Lebewesen, die auf diese Weise Wasser sammeln?

Vanessa Rüttler: Ja, auch das Wüstengras gewinnt Wasser aus dem Nebel. Die in dichten Büscheln stehenden Halme kämmen die Feuchtigkeit aus der Luft. Wenn die Tropfen schwer genug sind, fallen sie nach unten und bringen das Wasser zu den Wurzeln,
wo es benötigt wird.

Könnte sein Verhalten nicht auch eine Idee für uns Menschen sein?

Jana Johe: Tatsächlich gibt es schon Firmen, für die das Verhalten des Nebeltrinker-Käfers Vorbild war. Zur Trinkwassergewinnung wurden Netze entwickelt, die sich an der Methode des Nebeltrinker-Käfers orientieren. In Gegenden wie der Atacama-Wüste in Chile oder auch in Bergregionen in Marokko und Eritrea kommen Nebelfänger-Netze zur Gewinnung von Trinkwasser zum Einsatz.

 

Foto: LWL/Steinweg

Hat der Nebeltrinker-Käfer eine Chance zu überleben, wenn es auf unserer Erde noch wärmer wird?

Jana Johe: Das ist schwer zu sagen. Der Nebel bildet sich durch den kalten Benguelastrom. Das ist eine Meeresströmung mit kaltem Wasser aus der Antarktis, die in den Südatlantik fließt. Man muss abwarten wie sich dieser im Zuge des Klimawandels entwickelt.

Hintergrund zur Ausstellung

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt ab dem 30. September 2016 die inklusive Sonderausstellung "Wasser bewegt - Erde Mensch Natur". Auf 1.200 Quadratmetern lernen Besucher, welche Herausforderungen der Lebensraum Wasser birgt. In der Ausstellung werden Lebewesen vorgestellt, die perfekt an das Leben im Wasser oder an Leben ohne Wasser angepasst sind. Besucher aller Altersgruppen erleben die Schönheit, Kraft und die Bedeutung des Wassers für die Erde. Die Ausstellung ist dank Brailleschrift, einem speziellem Audioguide und Tastmodellen für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Sehende oder für Hörbehinderte. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.

LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster. Weitere Infos unter Telefon: 0251 591 6050 (Servicezeiten: Mo-Fr 8.30-12.30 Uhr, Mo-Do 14-15.30 Uhr).