Hippo Roller – Lebenswichtiges Wasser in rollenden Fässern

Interview mit den Austellungsmacherinnen Vanessa Rüttler und Jana Johe

Foto: LWL/Steinweg
Hippo Roller. Foto: LWL/Steinweg

Was ist ein Hippo Roller?

Vanessa Rüttler: Ein Hippo Roller ist eine Art Fass oder Tonne. An diesem Fass ist ein Schiebegriff mit dem man es rollen oder ziehen kann. Er fasst etwa 90 Liter Wasser.


Wozu wird er verwendet?

Jana Johe: In sehr trockenen Gebieten unserer Erde müssen die Menschen weite Strecken zurück legen um an Wasser zu gelangen. Dabei laufen sie oft mehrmals in der Woche, da die Frauen und Kinder nicht so viel Wasser auf einmal tragen können. Mit dem Hippo Roller ist es möglich, 90 Liter auf einmal zu befördern, was eine enorme Zeitersparnis einbringt. Auch gesundheitliche Schäden können mit dem Hippo Roller minimiert werden, da sie die schweren Wasserbehälter nicht mehr auf den Kopf oder mit den Händen tragen müssen.

 

Seit wann gibt es den Hippo Roller und wer hat ihn erfunden?

Vanessa Rüttler: Der Hippo Roller wurde 1991 von den Südafrikanern Pettie Petzer und Johan Jonker erfunden.

In welchen Ländern wird er eingesetzt?

Jana Johe: Das Projekt startete zunächst als Pilot in Südafrika. Es war dort so erfolgreich, dass der Hippo Roller mittlerweile in mehr als 20 anderen Ländern eingesetzt wird.

Gibt es nachweisliche Verbesserungen, dort wo er eingesetzt wird?

Vanessa Rüttler: Ja. Dort wo die Menschen den Hippo Roller zum Wasser holen einsetzen, haben zum Beispiel die Kinder deutlich mehr Zeit um in die Schule zu gehen. Denn meistens übernehmen sie die Pflicht, die Wasservorräte aufzufüllen und fehlen deshalb in der Schule. Auch gesundheitlich hat der Hippo Roller natürlich große Vorteile gegenüber dem Schleppen der schweren Wasserbehälter, was eine erhebliche Belastung für die Nackenmuskulatur und die Schultern ist. Zudem haben die Familien mehr Wasser zur Verfügung, was auch das tägliche Leben erleichtert. Sie können beispielsweise Gemüse in geringen Mengen direkt vor der Tür anpflanzen und bewässern. Ohne die Hippo Roller wäre der Aufwand dafür viel zu groß. Das wirkt sich ebenfalls positiv auf die Ernährung und somit auch auf die Gesundheit aus.

Foto: LWL/Steinweg

Warum sollte der Hippo Roller unbedingt in der Ausstellung gezeigt werden?

Jana Johe: Der Hippo Roller ist ein wichtiges Projekt, das den Menschen in Wasser ärmeren Gebieten hilft, ihre Lebenssituation durch den leichteren Zugang zu Wasser zu verbessern. Leider gibt es noch viel zu viele Regionen auf der Erde, wo die Menschen große Schwierigkeiten haben, Wasser für den täglichen Gebrauch zu bekommen und durch den Klimawandel wird es in Zukunft wohl auch noch mehr Gebiete geben, in denen die Menschen mit wenig Wasser auskommen müssen. Wir hingegen drehen einfach den Wasserhahn auf und sind manchmal etwas zu unbesorgt im Umgang mit unseren Wasser Ressourcen. Wir möchten in unserer Ausstellung einmal darauf aufmerksam machen, welche Schwierigkeiten Menschen in anderen Teilen der Erde mit der Beschaffung von Wasser haben.
Es wird eine Mitmachstation geben, wo jeder der möchte einmal einen Hippo Roller ausprobieren kann.

Hintergrund zur Ausstellung

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt ab dem 30. September 2016 die inklusive Sonderausstellung „Wasser bewegt - Erde Mensch Natur“. Auf 1.200 Quadratmetern lernen Besucher welche Herausforderungen der Lebensraum Wasser birgt. In der Ausstellung werden Lebewesen vorgestellt, die perfekt an das Leben im Wasser oder an Leben ohne Wasser angepasst sind. Besucher aller Altersgruppen erleben die unglaubliche Schönheit, gewaltige Kraft und die außerordentliche Bedeutung des Wassers für den gesamten Planeten Erde mit allen Sinnen. Die Ausstellung ist dank Brailleschrift, einem speziellem Audioguide und Tastmodellen für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Sehende oder für Hörbehinderte, die an den Mitmachstationen ihre übrigen Sinne erforschen können. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.