Die Galerie der Gehirne

Interview mit den Ausstellungsmacherinnen Nicola Holm und Dr. Julia Massier

Die Ausstellungsmacherinnen mit einer Auswahl von Tiergehirnen. Foto: LWL/Steinweg
Foto: LWL/Steinweg

Was kann sich der Besucher unter der „Galerie der Gehirne“ vorstellen?

Dr. Julia Massier: Die „Galerie der Gehirne“ ist ein Raum gleich zu Beginn der Ausstellung, in dem verschiedenste Tiergehirne ausgestellt werden. Wir wollen hervorheben, welche Vielfalt dieses Organs es in der Tierwelt gibt. Vom nur wenige Gramm schweren Fledermausgehirn bis zum Elefantengehirn, das über vier Kilogramm auf die Waage bringt.

 

Wie viele Gehirne sind in der Galerie insgesamt zu sehen?

Nicola Holm: Die Besucherinnen können über 80 Gehirne verschiedener Wirbeltiere betrachten. Darunter sind Objekte vom Delfin, vom Pferd, einem Orang-Utan oder vom Känguru. Ein Teil der Präparate stammt aus den hauseigenen Archivbeständen des Museums. Die meisten der Nasspräparate kommen jedoch aus der sogenannten „Edinger Sammlung“ der Universität Frankfurt.

Was ist diese Edinger Sammlung?

Nicola Holm: Die historische Sammlung umfasst neben vielen anderen Objekten über 500 Wirbeltiergehirne und ist damit die größte ihrer Art in Deutschland. Wir freuen uns, 75 dieser besonderen Sammlungsstücke in Münster zeigen zu können. Sie wurde nach Ludwig Edinger (1855–1918) benannt. Er war Nervenarzt und Hirnforscher und gilt als Begründer der modernen Neuroanatomie.

 

Foto: LWL/Steinweg

Weshalb wurde diese Darstellungsform gewählt?

Dr. Julia Massier: Das Gehirn ist bekanntlich der Ort in dem Intelligenz, Bewusstsein und Gefühle entstehen. Die Gehirnsammlung verdeutlicht, dass diese Tiere, wie wir auch, die anatomische Voraussetzung dafür besitzen. Die echten Gehirne am Eingang der Ausstellung schaffen ein erstes Bewusstsein für die breitgefächerte Forschungsthematik Gehirn, die im weiteren Verlauf zum Beispiel mit Infografiken noch vertieft wird.

Hintergrund zur Ausstellung

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt ab dem 29. Juni 2018 die inklusive Sonderausstellung „Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“. Auf 1.200 Quadratmetern lernen Besucherinnen und Besucher die anatomische Vielfalt und die enormen Leistungen dieses komplexen Organs kennen. Im Gehirn werden sämtliche Reize verarbeitet. Die Persönlichkeit formt sich, Gefühle entstehen, Pläne werden geschmiedet und Traumwelten erschaffen. Im Fokus der Ausstellung stehen neben dem Menschen die künstliche Intelligenz und die Welt der Tiere. Die Ausstellung ist dank Brailleschrift, einem speziellen, mehrsprachigen Audioguide und Tastmodellen für Menschen mit Sehbehinderung genauso geeignet wie für Sehende oder für Hörbehinderte, die an den Mitmachstationen ihre übrigen Sinne erforschen können. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.

 

LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster.
Weitere Infos unter Telefon: 0251 591 6050 (Servicezeiten: Mo-Fr 8.30-12.30 Uhr, Mo-Do 14-15.30 Uhr).