Schwimmsaurierfossil aus dem Kreis Höxter

Foto: LWL/Oblonczyk

Im Juni 2007 entdeckte der Hobbypaläontologe Sönke Simonsen in einer Tongrube bei Nieheim-Sommersell, Kreis Höxter, auf dem Grundstück von Antonius Reckmann ein ca. 4,5 m langes, fast vollständiges Skelett einer Paddelechse. Nach einer Bergung in 10 Blöcken durch das LWL-Museum für Naturkunde wurde das 185 Millionen Jahre alte versteinerte Skelett unter hohem Zeitaufwand von Fachleuten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster präpariert.

Foto: LWL/Oblonczyk

"Nach Einschätzung der Experten ist in Norddeutschland zuvor noch kein so gut erhaltenes Plesiosaurierskelett aus dieser Zeit gefunden worden", erläuterte 2007 der damalige LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch die Bedeutung des Fundes.

 

Foto: LWL/Steinweg

Der fertig präparierte und komplette Schwimmsaurier ist jetzt in der Dauerausstellung „Dinosaurier - Die Urzeit lebt!“ im LWL-Museum für Naturkunde zu sehen.

Der Fund wurde bereits 2010 in der Landesausstellung im Römisch-Germanischen Museum in Köln der Öffentlichkeit vorgestellt. 2011 kam er ins LWL-Museum für Archäologie in Herne. Anschließend wurde der Schwimmsaurier bis Ende 2013 in Krefeld beim Geologischen Dienst NRW gezeigt. Anschließend kehrte das Fossil ins LWL-Museum für Naturkunde nach Münster zurück, wo die Fachleute des LWL letzte Präparationsarbeiten an dem Fossil vornahmen und es 2014 in die Dinosaurierausstellung integrierten. Gedankt werden muss vor allen Dingen dem geologisch-paläontologischen Präparator Manfred Schlösser, der den Schwimmsaurier von 2007 bis 2014 in mühevoller Kleinarbeit präpariert hat und ihn so vor der Zerstörung durch das Pyrit gerettet hat.

 

Grafik: Lemmen

Die zu den Reptilien gehörenden Plesiosaurier waren an das Leben im Wasser angepasst: perfekte Schwimmer mit bootförmigem Rumpf und vier paddelartigen Flossen. Der im Kreis Höxter geborgene Saurier gehört zu den Formen mit langem Hals und kleinem Kopf. Sie lebten von der spätesten Trias- bis zum Ende der Kreidezeit im Erdmittelalter. Damals waren die Saurier die größten Landbewohner. Die Plesiosaurier starben noch vor den Dinosauriern, während der oberen Kreidezeit, aus.

 

Foto: LWL/Oblonczyk
Die Bergung des wertvollen Fossils in einer Rettungsgrabung, bewahrte den Schwimmsaurier vor Verwitterung und der Zerstörung durch den Bagger, so dass das Skelett weitgehend vollständig erhalten blieb. Geborgen wurde der Saurier in zehn Blöcken, die die Präparatoren mit einem Kunstharzlaminat stabilisierten.
 
Die Aufarbeitung des Skeletts war schwierig und zeitaufwändig, da das Gestein stark zerklüftet war und unkontrolliert zerbrechen konnte. Stellenweise war das Material auch hart wie Beton. Dagegen waren einige Knochen weich wie Ton und mussten vor der Freilegung gehärtet werden. Probleme bereitete es, das Skelett zu konservieren. Auf der Oberfläche und in den Hohlräumen vieler Knochen befindet sich Pyrit. Das Mineral, das wie Gold aussieht, hat unter bestimmten Umständen die Eigenschaft, zu zerfallen, wenn Luftsauerstoff und Feuchtigkeit einwirken. Dabei können die Knochen zerstört werden.
 
Wissenschaftlich wurde der Fund von einem anerkannten Spezialisten, Prof. Dr. Martin Sander von der Universität Bonn, bearbeitet. Die wissenschaftliche Bearbeitung führte zur Aufstellung einer neuen Gattung und Art. Der Schwimmsaurier erhielt den wissenschaftlichen Namen Westphaliasaurus simonsensii.

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