Programm für Blinde und Sehbehinderte im LWL-Museum für Naturkunde (Ausstellung beendet)

Riesen der Meere zum Tasten und zum Hören

Vorsichtig glitten ihre Finger an der Struktur des Knochens entlang. Sie fühlte die unebene Oberfläche, spürte den filigranen Aufbau des Gewebes und erahnte die Mächtigkeit des Tieres, anhand des scheinbar nicht enden wollenden Knochens. Wie riesig war dieses Tier? Dank der Möglichkeit, es anzufassen, bekam sie ein Gespür für die Größe. Die Wale standen im Mittelpunkt des Tastprogramms für Blinde und Sehbehinderte im LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Bei dieser rund eineinhalbstündigen Führung für Blinde und Sehbehinderte in Kleingruppen von bis zu drei Besucherinnen und Besuchern sowie ihren Begleitern stand der Tastsinn bei der Erkundung der Sonderausstellung „Wale – Riesen der Meere“ an erster Stelle.

Zu Beginn dieser besonderen Führung wurde eine Vorstellung von der Größe durch das Tasten eines kleinen einheimischen Wals an einem Schweinswal-Modell und das Tasten des Unterkiefers eines Blauwals, dem größten Tier der Erde, vermittelt. Bei dem sinnlichen Erleben einer virtuellen Tauchfahrt in die Tiefe eines Ozeans stand der Hörsinn im Vordergrund. Nach kurzer Erläuterung der Inszenierung wurden die verschiedenen Laute und Geräusche in Form kurzer Erklärungen jeweils angesagt. Modelle von einem springenden Buckelwal und einer Zwergwalkuh mit ihrem Kalb konnten ebenso wie das Originalskelett eines Orcas tastend erforscht werden. Das Blauwalherz lud zum Hineinkrabbeln ein. Die Zahl der Herzschläge pro Minute von kleinen und großen Säugetieren wurde geklatscht. Hör(bei)spiele zu verschiedenen Walstimmen führten auch zur Echoortung der Pottwale.

An den Modellen von Orca und Nordkaper in Originalgröße wurden verschiedene Jagdmethoden von Zahn- und Bartenwalen tastend vermittelt. Abschließend wurdeder Schädel des bekannten Pottwalfundes vor Pellworm aus dem Jahr 2011 tastend erkundet.

Die „bodennah“ präsentierten, originalen Knochen(gerüste) des Orcas, des Pottwals und des Blauwals und die zahlreichen Modelle im Maßstab 1:1 boten gute Voraussetzungen für Blinde und Sehbehinderte sich die Sonderausstellung „Wale – Riesen der Meere“ selbsttätig tastend zu erschließen.

Resümee und Feedback des Blinden- und Sehbehindertenvereins Ratingen e.V.

"Beeindruckende Ausstellung!

Für Menschen mit und ohne Sehhandicap eine integrative und lohnende Herausforderung, sich auf individuelle Weise mit dem Lebensraum der Riesen der Meere zu konfrontieren. Was die Hände der Blinden ertasten, muss erst einmal durch die Vielfalt der ertasteten Impressionen im Gehirn ankommen.

Die ausgezeichnete kompetente Führung durch die Museumspädagogin lässt für alle die Wale aus den Meerestiefen zu begreifbaren Geschöpfen der Prähistorie und der Neuzeit werden. Barrieren, die durch Konservierung der Objekte hinter Glas oder Schutz dem Seheingeschränkten verborgen bleiben, werden durch diese Sonderausstellung informativ in den Fokus für Menschen mit Blindheit und Sehhandicap gerückt.

Der Alternativtext der Fotos versteht sich als Dokumentation des Textes der Originalseiten. Der Begriff Audio besagt das den Fotos eine akustische Erklärung beigestellt wurde, die hier nicht darstellbar ist.

Erfreulicherweise sind auch Blindenbegleithunde im LWL willkommen.
Ein Vorzeigebeispiel der ausgezeichneten Art, Inklusion zu forcieren!"