Fossilfund in Bochum

Deutschlands älteste Wirbeltierfährte in Bochum entdeckt

Ca. 316 Millionen Jahr alt sind die Fährten, die am 17.06.2013 in einem Bochumer Steinbruch geborgen wurden. Sie haben den wissenschaftlichen Namen Ichniotherium praesidentis und gelten als die ältesten Wirbeltierfährten in Deutschland.
 

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Ein Hobby-Forscher hat Ende letzten Jahres in Bochum diese bisher ältesten Spuren von Wirbeltieren in Deutschland entdeckt. Angeregt durch ein Wanderbuch des GeoParks Ruhrgebiet inspizierte im Oktober letzten Jahres Sven Hoffmann aus Dortmund alte Steinbrüche in der Nähe des Kemnader Sees im Süden von Bochum. Dabei fielen ihm eigenartige Strukturen im karbonzeitlichen Sandstein auf, die an Fußabdrücke eines Reptils erinnerten. Hoffmann meldete diesen Fund dem Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen in Krefeld, der die vermeintliche Fährte von Dr. Sebastian Voigt, dem Leiter des Urweltmuseums GEOSKOP auf Burg Lichtenberg in der Pfalz, einem Spezialisten für derartige Funde in Deutschland, untersuchen ließ. Fährten von Vierfüßern aus der Karbon-Zeit sind äußerst selten. Im gesamten Ruhrgebiet wurden bislang erst zwei Funde gemacht: 1927 auf der Zeche „Präsident“ in Bochum und 1957 auf der Zeche „Erwin“ in Castrop-Rauxel. Weitere Funde gibt es aus dem Saarland, dem Zwickauer Karbon in Sachsen, Großbritannien und Nordamerika.

Umso größer war die Überraschung, dass Dr. Voigt den Fund eindeutig bestätigen konnte. Es handelt sich um die Fährte Ichniotherium praesidentis. Das Tier gilt als Bindeglied zwischen Amphibien und Reptilien und ist damit auch ein unmittelbarer Vorläufer aller höheren Landwirbeltiere wie Dinosaurier und Kriechtiere, aber auch der Vögel und Säugetiere. Ausweislich seiner rund 20 cm langen Fußabdrücke dürfte der Bochumer „Ursaurier“ nur etwas kleiner als ein Hausschweins gewesen sein. „Das Tier hat mehrere vollständige, je rund 20 Zentimeter lange Abdrücke vom Fuß und der Hand, sowie weitere Abdrücke hinterlassen und dürfte etwa so groß wie ein Hausschwein gewesen sein“, sagt Dr. Lothar Schöllmann, paläontologischer Fachmann des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Wie die genauere Untersuchung der Fundschicht ergab, handelt es sich bei dem Gestein im Steinbruch um den sogenannten „Finefrau-Sandstein“, Ablagerungen eines großen Flusses, der vor ca. 316 Mio. Jahren die Steinkohlenmoore des heutigen Ruhrgebiets durchströmte. Der „Ursaurier“ hinterließ seine Hand- und Fußabdrücke wohl am feuchten Flussufer oder auf einer Sandbank im Fluss. Da die beiden anderen Funde rund eine Million Jahre und auch alle übrigen Fährten-Funde in Deutschland deutlich jünger sind, handelt es sich bei der neu entdeckten Spur um die älteste Wirbeltierfährte in Deutschland überhaupt. Dr. Schöllmann bestätigt: „Solche Spuren sind sehr selten“. Nicht nur wegen der Seltenheit derartiger Funde, sondern auch dadurch, dass sich die Fährtenplatte noch im ursprünglichen Gesteinsverband befand, ist der Fund von großer wissenschaftlicher Bedeutung.

Zuständig für die Sicherung und Bergung des Fundes war die Denkmalbehörde der Stadt Bochum (auch Eigentümerin des Grundstücks und des Fundes) und das LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster, die das Fundareal als Bodendenkmal eintragen werden. Da sich die Platte mit den Fährtenabdrücken nicht an Ort und Stelle dauerhaft erhalten lässt, hat sie eine Fachfirma geborgen. Die Platte wird zunächst in Bochum verweilen und kommt anschließen ins LWL-Museum für Naturkunde in Münster, wo sie für die wissenschaftliche Bearbeitung präpariert und wissenschaftlich weiter untersucht wird. Danach wird sie voraussichtlich im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, wo auch schon die beiden Funde von 1927 und 1957 aufbewahrt werden.

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